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„Cachedichte“ in deutschen Großstädten

Aus der fixen Idee, dass Münster im Vergleich zu vielen anderen deutschen Großstädten doch bestimmt eine beachtlich hohe Dichte an Geocaches haben müsste, habe ich mich ein wenig mit dem Thema Geocaching-Statistik befasst. Dabei dreht es sich allerdings nicht um das oftmals verrufene „Statistik-Cachen“, sondern um die Erfassung der Anzahl von Geocaches in den 80 deutschen Großstädten. Mithilfe von Flächenmaßen und Einwohnerzahlen sollte so ermittelt werden, welche Großstadt in Deutschland die höchste „Cachedichte“, also die meisten Geocaches pro km2 und auch pro Einwohner aufweist.
Um dem Gesamtergebnis schon mal vorweg zu greifen, Münster landet weit abgeschlagen im hinteren „Mittelfeld“ … 

Was wurde ausgewertet und wie?

In Deutschland gibt es derzeit 80 Großstädte (Stand: Ende 2010). Die Definition einer „Großstadt“ erfolgt über die Einwohnerzahl, die bei mindestens 100.000 Personen liegen muss.
Münster gehört mit seinen knapp 280.000 Einwohnen so gerade noch zu den „kleineren Großstädten“ (100.000 bis 300.000 Einwohner) und belegt im nationalen Einwohner-Ranking den 22. Platz.

Gezählt wurde jeder Cachetyp, der sich bei der Radius-Suche bei Geocaching.com finden lässt. Das bedeutet auch, dass zum Beispiel Mystery-Caches, deren Listing-Koordinaten innerhalb eines Stadtgebietes liegen, letztlich physisch außerhalb liegen. Diese Werte dürften aber vernachlässigbar sein.

Leider lässt sich die Anzahl von Caches pro Stadt nicht so ganz einfach bestimmen. Natürlich könnte man per Hand zählen, aber das wäre bei den rund 37.000 Caches, die es derzeit in deutschen Großstädten gibt, etwas zeitaufwändig. 😉 So musste ich mich auf die Radius-Suche beschränken, die Geocaching.com anbietet.
Natürlich ist keine einzige der 80 untersuchten Städte wirklich kreisrund, manche sind sehr länglich, hier und da mit Ausstülpungen versehen. Dennoch ist eine gewisse Kreisform um den Stadtkern in Deutschland vorherrschend.
Meine Ergebnisse beruhen daher auch nicht auf absolut wasserdichten Zahlen für das exakt definierte Stadtgebiet. Manch extreme Randlage wird durch die Radius-Suche außen vor gelassen, wohingegen teilweise auch angrenzende Stadtgebiete mitgezählt werden.
Den Radius ermittelte ich aus dem Flächenmaß der Städte. So ist zumindest gewährleistet, dass nur die exakt definierte Fläche gezählt wurde. Immerhin etwas …
Meiner Meinung nach, dürfte diese systembedingte Zählungenauigkeit aber vernachlässigbar sein, da sich in den Randlagen eines Stadtgebietes selten große Ansammlungen von Geocaches finden lassen.

Die ermittelte Cache-Anzahl pro Stadt wurde dann in Kontrast zu Flächenmaß und Einwohnerzahl einer jeweiligen Stadt gesetzt. So kommt man auf Ergebnisse zur „Cachedichte“, also der Anzahl an Caches pro km2 und zur Zahl der Caches pro (1000) Einwohner.

Des Weiteren habe ich mich auch auf den innerstädtischen Raum der deutschen Großstädte konzentriert. Hier habe ich einen Radius von 1km pauschal angesetzt. Ziel dieser Recherche war, in welchen Städten man im Zentrum die höchste Anzahl an Caches vorfindet.

Sämtliche Daten wurden am 8. Oktober 2011 gesammelt.

„Cachedichte“ – In Kassel wird man fix fündig … in Salzgitter eher nicht

KasselDie Ergebnisse zur flächenmäßigen Recherche, also zur „Cachedichte“, bestätigten eine Vermutung, die ich schon lange hegte: die meisten Geocaches pro km2 liegen nicht zwangsläufig in den großen Ballungszentren. Keine der vier deutschen Millionenstädte (Berlin, Hamburg, München & Köln) schafft bei der Auswertung der Cachedichte unter die Top 15.
Zwar weisen Berlin und Hamburg in absoluten Zahlen mit deutlich 2000 die höchste Anzahl an Caches auf. Aber gerade Berlin rangiert bei der Cachedichte mit einem Wert von 2,83 Caches pro km2 auf einem schwachen 36. Platz. Hamburg belegt mit 3,06 Caches/km2 den 24. Platz.

Diese Werte sind im Vergleich zu den deutschen Spitzenreitern verhältnismäßig schwach. Das hessische Kassel belegt mit einem Wert von 527 Caches und einer Cachedichte von 4,94 Caches/km2 den ersten Rang. Gefolgt von Hannover (934 Caches | 4,58 Caches/km2) und Dortmund (1189 Caches | 4,24 Caches/km2).
Kassel hat zwar nur ca. die Hälfte der Caches, die in Hannover bzw. Dortmund ausliegen, aber dafür ist das Stadtgebiet auch um die Hälfte kleiner.

Münster schlägt sich mit einem eher unterdurchschnittlichen 66. Platz nicht gut unter den 80 deutschen Großstädten. Mit 572 Caches und einem Wert von 1,89 Caches/km2 kommt Münster noch nicht mal an die Hälfte der „Siegerwerte“ heran.
Das dürfte allerdings den zahlreichen landwirtschaftlichen Flächen geschuldet sein, die zur großen Ausdehnung des Stadtgebietes beitragen.

Am schlechtesten schnitten Cottbus (196 Caches | 1,19 Caches/km2), Erfurt (317 Caches | 1,18 Caches/km2), Hamm (252 Caches | 1,11 Caches/km2) und Salzgitter (226 Caches | 1,01 Caches/km2) ab.

» PDF-Datei mit allen Ergebnissen zur Cachedichte

Viele Einwohner = viele Caches … nix da!

Misst man die Anzahl an Caches die eine Stadt pro Einwohner verzeichnet, bei Großstädten besser pro 1000 Einwohner, dann kann man bereits im Vorfeld davon ausgehen, dass die Millionenstädte auf jeden Fall eher schlecht abschneiden. Hier driftet das Verhältnis von Einwohnern zu ausgelegten Caches einfach zu stark auseinander. Tatsächlich belegt auch die größte deutsche Stadt Berlin mit ca. 3,5 Mio. Einwohnern und „nur“ 2520 Caches den letzten Platz von 80 Großstädten. Das ergibt einen Wert von 0,73 Caches/1000 Einw.
Ähnliches gilt für die drei weiteren Millionenstädte Hamburg (Platz 59 | 1,3 Caches/1000 Einw.), München (Platz 79 | 0,78 Caches/1000 Einw.) und Köln (Platz 72 | 0,99 Caches/1000 Einw.).

An der Spitze dieses einwohnerbezogenen Rankings findet sich unter den ersten 20 Plätzen keine einzige Stadt mit mehr als 250.000 Einwohnern. Wolfsburg (Platz 1 | 3,6 Caches /1000 Einw.), Lübeck (Platz 2 | 3,49 Caches/1000 Einw.) und Pforzheim (Platz 3 | 3,43 Caches/1000 Einw.) schneiden bundesweit am besten ab.

Münster belegt hierbei endlich mal einen relativ respektablen 24. Platz mit 2,04 Caches/1000 Einw. direkt hinter Dortmund.

Versucht man nun diese Ergebnisse zu interpretieren, dann könnte man annehmen, dass in den 20 bestplatziertesten Städten die Anzahl an Geocachern im Vergleich zur Gesamtbevölkerung verhältnismäßig hoch sein muss. In absoluten Cacher-Zahlen liegen Städte wie Berlin oder Dortmund aber sicher deutlich vor Wolfsburg oder Lübeck. Dennoch dürfte ein hohes Caches/Einwohner-Verhältnis von einer sehr aktiven lokalen Cacher-Community zeugen.

» PDF-Datei mit allen Ergebnissen zur Einwohner-Auswertung

Sehenswerte Innenstädte ziehen scheinbar viele Geocaches an

Bewertet man deutsche Großstädte nach ihrer allgemeinen touristischen Anziehungskraft, dann spielen die Attraktivität der jeweiligen Innenstadt und die Anzahl der (historisch) bedeutenden Bauten eine zentrale Rolle. Städte wie zum Beispiel Leipzig, Freiburg oder Dresden sind vor allem aufgrund der Attraktivität ihres innerstädtischen Raumes wahre Touristenmagnete. Und so verwundert es auch kaum, dass gerade solche Orte eine verhältnismäßige hohe Anzahl an Caches in diesem Stadtbereich vorweisen.

Leipzig führt diese Wertung mit klarem Abstand an: 83 Caches im Innenstadtbereich. Lübeck folgt mit „nur“ 67 Caches und Freiburg belegt den dritten Rang mit 64 Caches im innerstädtischen Raum.
Das ebenfalls durchaus sehenswerte Münster belegt den 23. Platz dieser Wertung mit 41 Caches.

Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis für die Bestplatzierten nicht unbedingt überwältigend aus. Setzt man es aber in Relation zu den „Verlierern“ dieses Rankings, dann wirken die Zahlen erst richtig. Denn am Tabellenende kommen die letzten fünf Städte gerade mal auf 8-9 Caches im gleichen Gebiet. Das bereits bei der Cachedichte letztplatzierte Salzgitter belegt auch hier wieder den letzten Platz, diesmal gemeinsam mit Ludwigshafen.

» PDF-Datei mit allen Ergebnissen zur Innenstadt-Auswertung

Ein (kleines) „Hoch“ auf Nordrhein-Westfalen …

Zum Schluss meiner Auswertung habe ich den Blick auf die deutschen Bundesländer gerichtet.
In allen 16 Ländern gemeinsam liegen derzeit über 213.000 Caches aus. Das sind rund 15% aller Geocaches, die es laut Geocaching.com weltweit gibt. Deutschland ist somit nach den USA, gemessen an der absoluten Anzahl der Geocaches, das wichtigste Land in punkto Geocaching.

Nordrhein-Westfalen trägt zu diesem guten Ergebnis für Deutschland maßgeblich bei. Mit über 37.000 Caches trägt dieses Bundesland mit über 17% zur Gesamtzahl in Deutschland bei. Auch was die Cachedichte, also die Anzahl an Caches pro km2 betrifft, liegt NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern (exklusive des Saarlands und der Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen) auf dem ersten Platz mit 1,09 Caches/km2. Baden-Württemberg, das von der Fläche her sehr ähnlich zu NRW ist, kommt nur auf einen Wert von 0,85 Caches/km2.

Die fünf „neuen“ Bundesländer liegen im Ranking der absoluten Cachezahlen auf den letzten Plätzen, sofern man fairerweise wieder die Stadtstaaten und das Saarland aufgrund der zu geringen Fläche und Einwohnerzahl ausklammert. Im Osten gibt es also scheinbar noch Entwicklungspotential. Andererseits ist die Bevölkerungsdichte in den „neuen“ Bundesländern auch deutlich niedriger, als im „Westen“.

Nordrhein-Westfalen liegt dagegen bei der Auswertung der Caches pro (1000) Einwohner mit einem Wert von 2,08 auf dem letzten Platz. Da NRW die größte Population aller Bundesländer hat, ist dieses Ergebnis aber auch nicht verwunderlich. Das Saarland und die drei Stadtstaaten werden aufgrund ihrer zu geringen Größe hier auch nicht mitgewertet.
Sieger in dieser Kategorie ist Schleswig-Holstein mit einem Wert von 4,03 Caches/1000 Einw., gefolgt von Niedersachsen mit einem Wert von 3,92 Caches/1000 Einw.

» PDF-Datei mit allen Ergebnissen zu den Bundesländern

Schluss … aus … fertig

Statistiken sagen manchmal viel aus … oft aber auch rein gar nichts. Der Wert einer Statistik liegt immer im Auge des Betrachters. So sagen alle oben genannten Auswertungen zum Beispiel nichts über die Qualität der Caches einer Stadt oder Region aus. Es wäre auch vermessen, dafür eine Statistik zu erstellen. Schließlich bedeutet Cache-Qualität für alle etwas sehr unterschiedliches. So versucht sich diese Statistik nur auf das rein Messbare zu beschränken.
In Salzgitter macht Geocaching daher bestimmt genauso viel Spaß, wie in Dortmund oder Kassel. Vielleicht ist hier und da der Weg zur nächsten Dose etwas weiter, als woanders, oder die lokale Community verhältnismäßig kleiner, aber das dürfte unserem gemeinsamen Hobby keinen Abbruch tun.

Letztlich bleibt es auch jedem selbst überlassen, zu entscheiden, wie man zum Thema Cachedichte und den anderen Auswertungen steht. Viele Caches auf engem Raum sind nämlich für den einen Cacher ein Segen, für den anderen wiederum ein Fluch.
Mit diesen Statistiken will ich daher auch keine Aussage darüber treffen, ob man in den jeweiligen „Sieger-Städten“ besser cachen kann, als bei den „Verlierern“. Dies muss jeder selbst für sich entscheiden.

Die Screenshots wurden von mir zum Teil von der Geocaching.com-Website erstellt und dürfen in Absprache mit Groundspeak veröffentlicht werden. Das Foto vom Wolfsburger VW-Werk von Werner Kunz wurde bei Flickr unter CC BY-NC-SA 2.0 entliehen. Das Foto des Lübecker Holstentors von andI611 wurde bei Flickr unter CC BY-NC-SA 2.0 entliehen. Die NRW-Grafik stammt vom Wikipedia-User TUBS und wurde unter CC BY-SA 3.0 veröffentlich. 

Autor: ehnatnor | Jens

Hier schreibt "ehnatnor", im normalen Leben hin und wieder auch mit "Jens" ansprechbar, rund ums Geocaching in Münster. Das Ganze kann aber auch weitere Kreise ziehen ... Du findest mich auch bei Facebook, Twitter und Google+.

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