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Geocaching und Naturschutz in Münster

Ich nutze seit einigen Jahren Google Alerts, um beim Auftauchen von bestimmten Suchwörtern im Internet über die entsprechende Quelle informiert zu werden. So habe ich vor rund 2 Jahren auch Begriffe rund ums Geocaching bei Google Alerts eingegeben. Gab es anfangs nur hin und wieder eine Meldung über einen neuen Artikel mit dem Suchwort „Geocacher“ o.ä., so häuft sich seit einigen Monaten die Anzahl. Täglich kommen im Durchschnit 2-3 Meldungen, hauptsächlich von Zeitungen, die online Artikel zum Thema „Geocaching“ verfasst haben.

Und die Meldungen lassen sich in zwei Kategorien aufteilen:

  1. Städte, Regionen oder Vereine bieten jetzt „Geocaching“ als neue Attraktion an.
  2. Jäger, Waldbesitzer und andere benennen Geocaching als zunehmendes Problem.

Letzteres Thema hat mich nun bewogen, mal einen genaueren Blick auf das Spannungsverhältnis zwischen Geocaching und unseren Umgang mit der Natur zu werfen. Das Stadtgebiet Münsters nehme ich exemplarisch, da ich hier zum einen nahezu jeden Cache kenne und zum anderen die Probleme, die hier durchs Cachen entstehen, andernorts wohl ähnlich sein werden.

Der Geocacher als „Problem“ für die Natur

Zunächst habe ich für mich abgeklärt, inwiefern Geocaching aus meiner Sicht zu einem tatsächlichen Problem für die Umwelt werden kann. Meine Grundlage lautet dabei: „Gäbe es diesen Schaden, Pfad usw. auch ohne Geocaching“. Weiter habe ich auch die üblichen Kritikpunkte von Jägern, Förstern und Naturschützern gewichtet und aufgegriffen. Alle Problempunkte habe ich nach ihrer „Qualität“ nach „leichten“ und „schweren“ Problemen sortiert.

Leichte Probleme:

  • deutliche Spuren um einen Baum (z.B. aufgrund eines Tradis am Baum)
  • Kletterbäume bei Multis oder Mysterys (nicht nur T5)
  • Aufstiege an Hängen bei Multis und Mysterys (ohne davor vorgesehene Wege)

Schwere Probleme:

  • deutliche Wegbildung mitten in der Natur
  • Verlassen der Wege in Naturschutzgebieten (auch nur 3m)
  • Aufstiege an Hängen bei Tradis (ohne davor vorgesehene Wege)
  • Nachtcaches in Wäldern (in Bezug auf Problematik mit Wildtieren)
  • Kletterbaum-Tradis (nicht nur T5)

Man kann dieser Auflistung sicher noch das ein oder andere Problem hinzufügen, aber aus meiner Sicht handelt es sich hier zunächst um die tatsächlichen Hauptprobleme für die Natur. Punkte wie „Nachtcaches in Wäldern“ oder das „Verlassen der Wege in Naturschutzgebieten“ wurden in den letzten Monaten vor allem von außen durch Jäger, Waldbesitzer und Naturschützer als massive Probleme in das Bewusstsein der Community befördert. Und ihre Argumentation ist dabei in der Regel recht schlüssig.

 Jede zweite Dose in Münster ist problematisch

In Münster existieren derzeit (Stand: 31.03.2012) ziemlich genau 640 aktive und deaktivierte Geocaches in Form von Tradis, Multis und Mystery-Finals. Von diesen 640 Dosen liegen rund 60% (378 Caches) in der Natur und ca. 40% (262 Caches) in einer städtischen Umgebung. Bei Multis muss nur eine Station in der Natur liegen, um den Cache der Kategorie „Natur“ zugeordnet zu werden.
Rund 62% aller 378 Geocaches, die in der Natur liegen, kann man Waldgebieten zuordnen. Die restlichen 38% liegen an Bächen, einzelnen Bäumen oder Gebüschen.

Von den 378 Geocaches, die in der Natur ausgelegt wurden, liegen natürlich auch einige Exemplare in den 13 Naturschutzgebieten Münsters. Diese belegen mit 1.904,8 ha rund 6,3% des Stadtgebietes. In sechs dieser 13 Naturschutzgebiete liegen Geocaches aus, Tradis, Multis und Mysterys. Insgesamt handelt es sich um 24 Dosen. Und diese liegen allesamt (bei Multis als finale Dose) deutlich abseits der Wege. Aus Sicht des Naturschutzgesetztes ein absolutes No-Go. Der Bußgeldkatalog „Umwelt“ (Stand: Juni 2006) des Landes Nordrhein-Westfalen kennt hierfür Strafen von 25-400€.

Das Beschädigen von Bäumen in Form von Verschraubungen oder durch die Kletterei kann je nach Fall mit 75-7.500€ Bußgeld geahndet werden. Die T5er-Kletter-Caches sind in meinen Augen besonders zu beachten. Gerade dann, wenn ein solcher Cache als Tradi ausgelegt wurde und somit deutlich mehr Menschen anzieht, als bei Multis oder Mysterys. An nahezu allen Kletterbäumen, die Tradis beherbergen, sieht man nach wenigen Wochen schon deutliche Spuren an der Rinde, die von Seil und Technik herrühren. Selbst wenn ich kein Biologe bin, kann ich erkennen, dass das auf Dauer nicht gut für die Bäume sein dürfte.

Der Kategorisierung in leichte und schwere Schäden folgend komme ich über die Gesamtzahl aller Geocaches, die in Münster in der Natur liegen auf folgendes Ergebnis:

  • Leichte Schäden für die Natur bei 249 Geocaches
  • Schwere Schäden für die Natur bei 52 Geocaches

Insgesamt verursachen also 301 Geocaches leichte bis schwere Schäden in der Natur. Wenn man nun bedenkt, dass überhaupt nur 378 Geocaches in der Natur Münsters ausliegen, ist das eine ziemlich hohe Quote. Aber auch auf die Gesamtzahl aller Caches (640 Dosen) ist das Ergebnis ein wenig bedrückend: fast jeder zweite Geocache in Münster führt zu leichten bis schweren Problemen für die Natur, in der er liegt.
Letzten Endes tragen die Geocacher, die den Cache suchen, eine Mitschuld, aber der Owner hätte vor dem Auslegen des Caches alle möglichen Probleme für die Umwelt bedenken können bzw. müssen.

Was kann man nun tun?

Sprechen Jäger, Waldbesitzer oder Naturschützer von außen Kritik an den Geocachern aus, dann reagieren viele von uns reflexartig negativ auf diese Gruppen. Ich gebe zu, mir geht es da genauso und als ich gestern in die Zeitung schaute und einen Artikel über die örtliche Hegering-Versammlung las, kam mir schon wieder die Galle hoch.

Aber letztendlich ist es zunächst an uns, dafür zu sorgen, den Kritikern die Munition zu nehmen. Und das bedeutet in meinen Augen Verzicht in vielerlei Hinsicht. In punkto Nachtcaches erkenne ich da auch bereits einen Trend. Manch einer spricht bereits vom Nachtcachesterben. Viele andere Problemverstecke bleiben aber und werden auch nach wie vor gut bestückt. T5-Kletter-Caches, Dosen mitten im Wald ohne reguläre Zuwegung oder in Naturschutzgebieten abseits der Wege werden anscheinend immer beliebter. Besonders Powertrails aus vielen einzelnen Tradis sind meiner Meinung nach derzeit eines der größten Probleme. Hier kann ich die Reviewer auch nicht ganz verstehen, da sie ja gemäß der Guidelines nicht zu einer Veröffentlichung von Powertrail-Dosen verpflichtet wären. Schließlich gilt ja noch die Regel: „Verstecke bitte nicht alle 180 Meter einen Cache, nur weil Du es laut dieser Richtlinie darfst.“ (Geocaching Guidelines – 1.1.7)

Natürlich kann man als Geocacher gerade bei irregulären Geocaches in Naturschutzgebieten ganz einfach einen „SBA“-Log (Should be archived) bei Geocaching.com raushauen. Im Gespräch mit dem Reviewer Obelodalix wurde diese Vorgehensweise auch unbedingt empfohlen. Aber natürlich macht man sich mit solchen Logs in der örtlichen Community auf Dauer zum Volldeppen. So wie ich nun aber gehört habe, arbeiten die Herren Reviewer bereits an einer Lösung für diese Problematik. Mal abwarten, was da kommen wird.

Das Foto des Naturschutz-Schildes stammt vom Flickr-User arne.list und wurde unter CC BY-SA 2.0 veröffentlicht.

Autor: ehnatnor | Jens

Hier schreibt „ehnatnor„, im normalen Leben hin und wieder auch mit „Jens“ ansprechbar, rund ums Geocaching in Münster.
Das Ganze kann aber auch weitere Kreise ziehen … Du findest mich auch bei Facebook, Twitter und Google+.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für die interessanten Zahlen.
    Bei den 52 Caches, die in die Kategorie „Schwere Schäden“ zählen, sollten die Owner auf jeden Fall davon in Kenntnis gesetzt werden. Viele sind sich einfach nicht bewusst, dass ihre Dose problematisch ist. ;-/

    • Hallo JR,

      wie du im Artikel siehst, fasse ich den Bereich für „Schwere Schäden“ relativ weit. Ich gehe fest davon aus, dass das viele Leute nicht unbedingt so sehen werden.
      Ganz ehrlich gesagt habe ich da momentan noch leichte Manschetten vor den entsprechenden Ownern meine Ansicht direkt mitzuteilen. Wie gesagt, ist man ja schnell der Volldepp und das möchte ich noch ganz gerne vermeiden.

      Mal abwarten, vielleicht müsste man das Thema mal breiter hier vor Ort bekannt machen, damit nicht letztlich einer allein der Überbringer der „schlechten“ Nachricht ist und auch andere hinter dieser Ansicht stehen.

      Wie auch immer, danke für deine Anregung!

      Gruß, Jens

  2. Momentan gibt es keine Möglichkeit, Problemcaches anonym zu melden. Gleichzeitig reagieren viele Geocacher äußerst unhöflich, wenn man auf Probleme per Needs-Archived-Log hinweist. Das hält viele von einem solchen Log ab.

    Damit ist aber ein wesentliches Element der Selbstkontrolle blockiert. Wenn die Selbstkontrolle fehlt, kommt es über kurz oder lang zur Fremdkontrolle. Wenn man „Glück“ hat, lassen Behörden, Jagdpächter, Grundbesitzer nur einen einzelnen Cache aus dem Spiel nehmen. Wenn man Pech hat, gehen ganze Gebiete für’s Geocachen verloren.

    Auch wenn ich persönlich den Needs-Archived-Log für die bessere Variante halte, könnt ihr mich bei Problemcaches auch gerne direkt über mein Profil anschreiben. Wie beim Needs-Archived-Log sollte das ganze sachlich formuliert sein. Also nicht: „Scheiss Cache, verstößt gegen die Naturschutzregeln“ sondern „Station 4 liegt ca. 15 Meter östlich des Weges im Gestrüpp, das Final liegt auf einer kleinen Insel im Bachlauf“. Wenn möglich, bitte auch die Sache mit Fotos dokumentieren.

    Wie bei NA-Logs kümmere ich mich um solche Mails und achte darauf, dass ihr gegenüber der Community anonym bleibt. Im Normalfall bekommen die Owner Gelegenheit, das Problem innerhalb von 30 Tagen zu beheben (z.B. durch Verlegung des Caches oder nachträgliches Vorlegen einer schriftlichen Genehmigung).

  3. Lieber Eigengott, dein Wort in Gottes Ohr – meine Erfahrung der letzten Monate: manchmal klappt’s manchmal nicht – auch bei ausführlicher Darstellung und Fotos. Leider ist der Umgang sehr stark reviewerspezifisch. Ein Beispiel wo es nicht so klappt wie es klappen sollte: http://coord.info/GC2AT2T
    Eine ausführliche Darstellung wurde auf Nachfrage von dem angesprochenen Reviewer abgetan mit „die Situation vor Ort stimmt nicht mit den Karten überein“ – unter Ignorierung diverser BNatSchG-Paragraphen…

  4. Vielleicht ist es in der Tat am sinnvollsten, auf Eigengotts Angebot einzugehen und ihm einfach die Schadenaufstellung für die einzelnen caches, die die Grundlage Deiner Zahlen bildet, zur Verfügung zu stellen. Ist ja auch Quatsch, bei hunderten von Dosen per Sockenpuppe nen sba zu loggen.

    cu

    hierich

  5. Guido Baumann "Die Baumanns" 10. April 2012 um 21:33 Antworten

    Ich denke, den meisten fehlt der Arsch in der Buchse,
    bisher war meine Erfahrung so, das bei einem sachlichen anschreiben (noch nein NA-Log) die Leute reagieren. Gerade in Naturschutzgebieten kommt dann häufig „Ach das wussten wir nicht“ und die Dose wird verlegt oder aus dem Spiel genommen.
    Bei harten Fällen, die zwar reagieren, aber meinen das Schild steht aber woanders, die Kartengrundlage des LANUV aber eindeutig ist, kontakte ich den Reviewer der den cache frei gegeben hat. Leider auch in einem Fall mit einer sehr unwirschen Antwort, was ich ihm den Vorwerfen würde, sie seien auch nur menschen und dann letztendlich doch schon nach 7 Tagen der Cache deaktiviert wurde.
    Das produziert natürlich auch bei uns verantwortungsbewussten Geocachern Frust.
    Ich denke, da muss die Reaktionszeit deutlich schneller sein, im Prinzip müsste meines Erachtens eine Taskforce „Naturschutz“ unter einer E-mailadresse veröffentlicht werden, auf der dann fix reagiert werden kann, zumindestens für NSG und geschützte Biotope.
    Zum Glück war der vorgenannte Reviewerkontakt der erste zu dem Thema und ich lasse mich auch nicht abschrecken. Aber in der Regel sind die Owner gar nicht so empfindlich uns sehen meist den Fehler ein. Nur sollte man es tunlichst vermeiden den Owner per Log bloß zu stellen. Eine Note, das es hier ein NSG-Problem gibt und dann den Owner direkt sehr sachlich anmailen. Klappt fast zu 100%.

    Gruß Guido

    • Ja, sie reagieren – bisher zweimal in Form von strafrechtlich verwertbaren Beleidigungen, einmal unter Androhung von Gewalt und sehr oft durch penetrantes Löschen der Logs.

  6. (nicht verwandt oder verschwägert mit Guido 🙂 )
    Ich denke, man will einfach nicht der Spielverderber sein und einen anderen Cacher ans Bein nässen. Viele holen sich einfach den Punkt und gut ist. Naturschutz pfeifen leider viele drauf. Wir achten bei unseren Caches darauf, dass z.B. ein Vogelhäuschen nicht in den Baum verschraubt wird. Ein einfaches Drahtseil erledigt das doch auch. Hingegen ein toter Baumstumpf hat kein Problem mit einer Schraube.

  7. In Bezug auf Naturschutz finde ich dies Cache-Ralley in Münster echt unmöglich. Jetzt organisiert man sich zum Cachen mit Auto für eine Ralley. Ganz davon abgesehen, daß die momentanen Spritpreise sowas zu denken geben sollte, denke ich auch an die vielen Autoabgase die es trotz Kat und Umweltplakette noch gibt. Wenn schon Ralley, dann bitte doch zu Fuß, mit Rollschuhe/ Inliner oder Fahrrad. Gerade in Münster bietet sich das Fahrrad doch gerade zu an.
    Gerade bei einer Ralley mit Auto kann es durchaus passieren, daß es zu Verkehrsunfällen kommt.
    Ich habe schon bei dem B.A.S.E in Kaldenkirchen gesehen, was für verrückte Cacher es gibt, nur um der erste im Logbuch zu sein.

    Die Idee einer Ralley finde ich ja schon ganz witzig, aber bitte dann ohne Auto.

    Gruß
    Sylvia

    • Naja, es handelt sich halt um eine Auto-Rallye. Da wird es dann ohne Auto schwer. 😉

      Was dein Kommentar nun aber mit meinem Textbeitrag zum Spannungsfeld zwischen Geocaching und Naturschutz zu tun hat, erschließt sich mir noch nicht so ganz. Dort geht es um unsere Außenwirkung auf Jäger, Naturschützer und Waldbesitzer.
      Ich glaube kaum, dass wir irgendwann auch noch für die Zunahme von Kohlendioxid und Stickoxiden verantwortlich gemacht werden. 😉

      Gruß, Jens

      P.S.: Als „moralisches Feigenblatt“ lassen wir für das Cache-Rallye-Event über eine Tonne Kohlendioxid kompensieren: http://goo.gl/c3714

    • Etwas off-topic, aber ich möchte die Relationen ein wenig „geraderücken“:
      Cache-Rallye: Die meisten Teams scheinen zwischen 60 und 85 Kilometer während der Rallye gefahren zu sein. Wir hatten 73,4 km (inkl. der Strecken zu Fuss) und 15 Caches zwischen Start und Ziel. Das ist pro Cache eine Strecke von knapp 4,9 km. Je Cacher bei unserem 5erteam also unter einem Kilometer, rein statistisch. Das Siegerteam hat 23 Dosen besucht und ist rd. 85 Kilometer gefahren (und gelaufen), also durchschnittlich 3,65km je Dose.
      Das dürfte im Schnitt eher weniger KFZ-Strecke je Dose sein als sonst an einem Sonntag zum Cachen gefahren wird.
      Vielleicht kann man ja in einigen Jahren eine Cacherallye für Elektrofahrzeuge (ja, ich weiss, dass der Strom dafür auch nicht ohne CO² Ausstoss produziert wird) durchführen – im Moment ist die Zahl dieser KFZ aber noch zu gering dafür.

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