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Geocaching.com … flacht der „Boom“ ab?

Quelle: blog.geocaching.com

Am 2. September 2012 feierten wir in Münster mit einem großen Event das 10-jährige Jubiläum des ersten Geocaches in unserer Stadt. Auf den Tag genau vor zehn Jahren wurde  im Westen Münsters der erste Multi-Cache versteckt. Zum 10-jährigen Jubiläum der ersten Geocaches im Münsterland schrieb ich vor ein paar Wochen bereits einen Artikel.
An den Vorbereitungen und der Durchführung dieses Events war ich beteiligt und so staunte ich nicht schlecht, als wenige Tage vor „unserem“ Jubiläumstag folgender Blogpost von Groundspeak im Feed-Reader auftauchte:

Geocaching.com Turns 12-Years-Old
It’s been 12 years since Geocaching.com came to life on a home computer in the spare bedroom of a Seattle-area apartment on September 2, 2000. At that time, fewer than 100 geocaches had been hidden around the globe. Twelve years later, more than 1,000 geocaches are hidden by geocachers and published by volunteer reviewers each day. (…)

Somit war unser lokaler Jubiläumstag auf einmal auch ein Termin von „größerer“ Bedeutung.

Dass die Webseite „Geocaching.com“ am 2. September 2000 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war mir bis dato gänzlich unbekannt. Und so machte ich mich fix daran, die Ursprünge des Geocachens für mich in Erfahrung zu bringen. Einerseits aus purer Neugier, andererseits konnte ich so einige Infos für unser Jubiläums-Event zusammenstellen.

Diverse Webseiten boten mir Infos zur Historie des Geocachens. So fand ich zum Beispiel auf Zwanziger.de zunächst eine recht detaillierte Aufstellung der Entwicklung in chronologischer Abfolge. Weitere Webseiten mit Angaben und Quellen zur Geschichte folgten.
Vor allem die Quelle zur Veröffentlichung der Webseite „Geocaching.com“ interessierte mich und so stöberte ich durch die damals genutzten Newsgroups und Mailinglisten. So kam ich letztlich zu einem Eintrag in der gpsstash-Newsgroup vom 2. September 2000 (Ortszeit Seattle). Hierin teilte Jeremy Irish, einer der Gründer von Grounded Inc., später Groundspeak Inc., folgendes mit:

I was hoping to wait until there was more functionality available, but I might as well plug Geocaching.com – All the stashes are available on the site (and hopefully current), and I added some new capabilities to help you find each stash. Some of the stuff works (like you can log a find online) but some of the administration of your own stashes doesn’t work quite yet. Any input would be appreciated.

The geocaching phenomenon is starting to get too big to maintain on multiple sites – hopefully I can add some functionality to take it to the next level and make it easier to grow. I already talked to Mike Teague via e-mail and he likes the direction so far. Let me know what you think! (…)

Damit gab Jeremy bekannt, dass er nun eine eigene Webseite namens „Geocaching.com“ mit allen damals aktuellen Geocaches veröffentlicht habe. Diese Domain hatte er bereits Anfang Juli 2000 registrieren lassen, ebenso wie auch „Geocashing.com“ ;-).
Zuvor gab es bereits eine andere Webseite mit einer Geocache-Auflistung, die aber letztlich nicht die nötige Funktionalität liefern konnte. Jeremy bediente sich der Geocache-Daten dieser Webseite in Absprache mit dem Webseiten-Inhaber und konnte so die Datenbank von „Geocaching.com“ mit den ersten 75 Geocaches bestücken.

Entwicklung der Webseite „Geocaching.com“

Im Gegensatz zum heutigen Erscheinungsbild wirkte die Webseite „Geocaching.com“ damals deutlich weniger umfangreich. Einen Eindruck, wie sich die Webseite seit Ende 2000 bis heute entwickelte, liefern folgende Screenshots, die ich unter Zuhilfenahme der Daten von web.archive.org erstellen konnte. Dabei habe ich die Entwicklung der Webseite nach optischen Punkten grob in 5 Phasen eingeteilt. Seht selbst!

Die Screenshots zeigen nicht unbedingt jedes Update der Webseite, sondern nur solche, die auch der Crawler von web.archive.org erfasst hat. Generell müssten aufgrund der „Archivdichte“ aber nahezu alle optischen Entwicklungsphasen zu sehen sein.

Anmeldezahlen auf Geocaching.com – Ist der Boom vorbei?

Im Rahmen der Eventvorbereitungen stieß ich auch auf den damaligen „Approver“ erik88l-r. Als Approver übernahm er die Arbeit, die heute von den „Reviewern“ geleistet wird. Und das tat er in den ersten Jahren komplett alleine (!) für ganz Europa.
Über das GC-Profil von erik88l-r bin ich erstmals auf die IDs aufmerksam geworden, die jedem Account zugewiesen werden. Diese tauchen in der Regel nicht in der Adresszeile des Browsers auf. Ein Link zum Profil von erik88l-r beinhaltete diese ID nun aber und ich begann ein wenig mit der ID-Nummer herumzuspielen. So fand ich unter der ersten ID (2) natürlich einen Account von Jeremy.
Die ID wird vom System als fortlaufende Nummer vergeben, sobald man sich auf Geocaching.com registriert. Jeder Account verfügt über eine ID, die ihn so unabhängig vom Alias eindeutig identifizierbar macht. So kann man zum Beispiel seinen Alias-Namen ändern ohne den Bezug zu bisherigen Logs oder Listings zu verlieren.

Mich interessierte  weiterhin die aktuelle Zahl der bislang angemeldeten Nutzer. Über eine manuelle Annäherung kam ich dabei auf eine Anzahl jenseits der 6 Mio. Accounts. Damit hatte ich nicht gerechnet. Natürlich handelt es sich bei diesen Zahlen nicht nur um aktive Accounts, sondern auch (inzwischen) ungenutzte oder Fake-Accounts. Nichtsdestotrotz kann man anhand der Anmeldezahlen die Entwicklung des Geocachings (über die Webseite Geocaching.com) gut nachvollziehen.

Auswertung der Anmeldezahlen

Über die Methode der manuellen Annäherung an verschiedene IDs suchte ich zunächst die jeweils ersten Anmeldungen eines jeden Quartals (1. Januar, 1. April, 1. Juli, 1. Oktober) zwischen dem Start der Webseite im Jahr 2000 und heute. Dabei kamen in einer nun angelegten Excel-Tabelle insgesamt 50 Werte zusammen, aus denen ich ein erstes Diagramm erstellen konnte.

Dieses erste Diagramm zeigt, dass die Entwicklung, die Geocaching weltweit nahm, keinen linearen Verlauf hatte, sondern ab 2005 quasi „explodierte“. Allerdings hatte ich solch einen Kurvenverlauf bereits vor der Zusammenstellung der Daten erwartet. Dass Geocaching in den letzten Jahren einen massiven „Boom“ erfahren hat, dürfte jedem klar sein.
Als weiteres Thema reizte mich die Zuwachsrate, sprich wie sich die Anmeldezahlen von Quartal zu Quartal entwickelten. Und dabei stieß ich erstmals auf einen etwas unerwarteten Verlauf. Zwar stiegen die absoluten Anmeldezahlen kontinuierlich (auf das ganze Jahr gesehen) an, aber das Wachstum geriet über die Jahre ins Stocken. Es flachte ab und die Zuwachsrate liegt heute bei ca. 6-8%.

Diese Entwicklung ist natürlich insofern erklärlich, als dass irgendwann ein Level erreicht sein wird, in dem die Anmeldezahlen für einen Account bei Geocaching.com rückläufig sein dürften und eine Sättigung eingetreten ist. Und so, wie sich die Entwicklung für mich darstellt, ist man von diesem Punkt nicht mehr weit entfernt. Demnach wird es zwar weiterhin viele neue Accounts und Cacher geben, aber die Zuwächse schrumpfen halt immer weiter. Die rechte Grafik mit der Prognose-Trendlinie zeigt dazu den erwartbaren Verlauf bis Ende 2013.

Sehr interessant sind in diesem Zusammenhang die Zuwachsraten nach Jahreszeit. So zeigt die mittlere Grafik, dass die Anmeldezahlen im Vergleich zum Herbst bzw. Winter deutlich in die Höhe schnellen. Dieser Trend ist durch alle Jahre hindurch mal mehr, mal weniger deutlich erkennbar (die Pfeile verdeutlichen den Trend).
Eine Erklärung für dieses Phänomen dürften Temperatur und Wetter sein. Im Frühjahr zieht es die Leute selbstverständlich öfter vor die Tür, als in der kalten und nassen Jahreszeit. Durch Cacher, die dann wieder vermehrt durch die Lande streifen, werden dann vielleicht mehr Menschen für das Thema begeistert, als in Herbst und Winter.

Das Smartphone und der „Boom“

Vielfach wird ein Teil des „Geocaching-Booms“ der letzten Jahre auf die Verbreitung von Smartphones und günstigen Mobil-Tarifen der Netzbetreiber geschoben. Diese Erklärung macht auch aus meiner Sicht durchaus einen Sinn, wenn man bedenkt, wie viele Geocacher heutzutage (gefühlt) nur mit ihrem Smartphone unterwegs sind und noch nie einen „richtigen“ GPS-Empfänger besaßen.
Die Einführung spezieller Geocaching-Apps für Smartphones senkte ebenso die Einstiegshürde, die durch den Kauf eines teuren GPS-Empfängers gegeben war.

Vor allem die massive Zunahme der Geocacher und Geocaches in den letzten zwei bis drei Jahren könnte auf die Entwicklung am Smartphone-Markt ein Stück weit zurückzuführen sein. Aus dieser Überlegung heraus, habe ich mich auch mit diesen Daten beschäftigt und eine letzte Grafik erstellt, die eine mögliche Verbindung aus Geocaching-Anmeldezahlen und Smartphones-Verkäufen darstellen soll.

Der Grafik kann man zunächst entnehmen, dass in den Jahren von 2008 bis 2010 die absoluten Zuwachszahlen an GC-Accounts teilweise massiv angestiegen sind. Steigerungen mit Zuwächsen von bis zu 26,4% von 2009 auf 2010 sind schon erstaunlich. Aber gerade diese Zahl passt perfekt zur Entwicklung bei den Smartphones. Hier gab es nämlich auch von 2009 auf 2010 eine massive Zunahme der weltweiten Verkäufe. Eine Verbindung dieser Zunahme von Smartphones und GC-Accounts lässt sich zumindest für den genannten Zeitraum wohl feststellen. Ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen diesen hohen Werten besteht, ist natürlich reine Spekulation, aber es scheint zunächst einmal so.

In den Jahren vor 2009 dürfte die Zunahme der Smartphone-Verkäufe die Entwicklung beim Geocaching eher leicht befeuert haben. Für den Zeitraum vor 2007 konnte ich keine Zahlen zum weltweiten Smartphone-Absatz finden. Die vorhandenen Zahlen beruhen auf Erhebungen von Gartner Inc. (2007-2008, 2009-2010, 2011).

Was in dieser Grafik abschließend auffällt, ist dass die Entwicklung der Account-Zuwächse und die Verkaufszahlen bei Smartphones augenscheinlich seit dem Jahr 2011 stark auseinander driften. Bei den GC-Accounts gab es von 2010 auf 2011 einen Anstieg von lediglich 8,2%. Bei den Smartphone-Absätzen dagegen eine Zunahme von fast 60%. Einen Smartphone-bedingten „Boom“ gab es beim Geocaching somit anscheinend nur kurzzeitig von 2009 auf 2010.
Beide Zuwachswerte sind von 2010 auf 2011 zwar rückläufig, aber die Zahl der neuen Anmeldungen bei Geocaching.com ist auf 8,2% (Vorjahr: 26,4%) gesunken. Der Smartphone-Absatz sank dagegen nur von 72,09% (2010) auf 59,11% (2011).
Somit scheint bei den Neuanmeldungen auf Geocaching.com so langsam das Limit erreicht zu sein. Mal abwarten, was die Zukunft so bereithält. 😉

P.S.: Da ich die Zahlen allesamt selbst herausgesucht und interpretiert habe, kann hier natürlich theoretisch auch totaler Unsinn stehen. Einen direkten Zugriff auf Daten von Groundspeak hatte ich nicht und hätte diesen aller Voraussicht nach auch eher nicht bekommen. Seht mir daher mögliche Fehler nach und korrigiert mich ggfs. in den Kommentaren! Danke.

Autor: ehnatnor | Jens

Hier schreibt „ehnatnor„, im normalen Leben hin und wieder auch mit „Jens“ ansprechbar, rund ums Geocaching in Münster.
Das Ganze kann aber auch weitere Kreise ziehen … Du findest mich auch bei Facebook, Twitter und Google+.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na, das ist doch mal eine schöne Analyse. Vielleicht nicht 100% wissenschaftlich korrekt, aber da steckt schon einiges an Arbeit und Recherche drin, zudem stützt es meine These, dass dar Höhepunkt mittlerweile bzw. bald erreicht sein wird.

  2. Was für eine Arbeit! Aber wenn man sich da erst einmal eingearbeitet hat, will man vermutlich nicht wieder aufhören, gefällt mir!

    Ich hoffe, Du hast Recht!

  3. YEAAAAHAAA and HOORAY!
    Ein sehr interessanter Artikel, hat mir sehr gut gefallen und auch ich hoffe das die Entwicklung rückläufig ist…das wäre endlich mal eine verdammt gute Nachricht für das Hobby….so langsam könnte man nämlich schon die Lust verlieren wenn man liest was rund ums Dosen suchen so alles passiert. Hoffentlich ist es aber auch rückläufig mit Caches nach dem, Schneller-, Höher-, Weiter-Prinzip…sicherlich entwickelt sich alles immer weiter aber weniger ist doch manchmal mehr und tut dem Hobby auch ganz gut…früher ging es auch ohne viel Schnick und Schnuck und ich denke mal, das funktioniert heutzutage auch ganz gut. Obwohl..heutzutage…immer alles getoppt werden muss…alles andere scheint langweilig….irgendwie auch schade.
    Back to the roots…auch Abzählstages können interessant sein 😉 am Ende war man immer ein schönes Stück unterwegs und hat nicht faul auf der Couch gelegen…na ja, jeder siehts halt anders.
    Nochmals Danke für den schönen Artikel
    Happy hunting and dont forget to dance @ the cache 😉
    Grüßli
    Olli (ollithemaurer) und Bande (Pongo and the little Dukiiiiiiii)

  4. Sehr fein diese Auswertung.
    Ich habe mich mal hingesetzt und auf die Schnelle was aus der Zahl der aktiven Caches der letzten 2 Jahre (in Deutschland gezaubert):
    https://www.dropbox.com/s/rumpc8j4kr4vlnk/caches_de.png
    Blau ist die Zahl der aktiven Caches.
    Rot ist der Zuwachs in Prozent für das vorangegangene Quartal.
    Dort, wo es keine Datenpunkte für die Caches gibt, wird der nächstliegende Wert genommen.
    Als grobe Übersicht sollte es aber reichen.

    • Hallo,
      ich finde all eure Statistiken super interessant und würde selbst etwas herumprobieren. Bei den Accounts gelingt es mir auch mit der ID zu „spielen“. Allerdings interessiert es mich nun, wie du auf die Zahlen der Geocaches in einem bestimmten Zeitraum bzw. Zeitpunkt kommst?

      • Hallo Lara,

        @el_golfo hat die Zahlen zu den aktiven Caches in Deutschland ganz einfach täglich notiert. Und das über einen langen Zeitraum. Da steckt keine Zauberei hinter … nur reichlich Disziplin. 😉 Und die Zahlen vor dem Beginn seiner eigenen Zählung hat er verschiedenen Quellen (Cachewiki und Wikipedia) entnommen. Deshalb sind sie auch unvollständig.

        Viele Grüße,
        Jens

  5. Die Auswertungen gefallen mir auch sehr gut, Kompliment!

    Dass der Boom abflacht, davon kann allerdings keine Rede sein. Ich habe nämlich grade in den letzten Tagen mal die von mir nicht gefundenen Caches im Umkreis von 40 Kilometern analysiert und dabei auch eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

    In diesem Umkreis liegen derzeit ca. 2900 nicht gefundene Caches (schon das ist Wahnsinn, da unsere „Kapazitätsgrenze“ von Funden bei ca. 1000 pro Jahr liegt, solange wir noch nicht in Rente sind…).

    Interessant ist aber die Sortierung nach Lege-Datum: Nur 1000 Caches von diesen 2900 sind älter als April 2011 (!!!), 1900 sind jünger. Das hätte ich nie gedacht, ich hätte gefühlsmäßig diese Grenze vielleicht 2008 gesetzt.

    So gesehen ist die Anzahl der gelegten Caches wohl erst vor anderthalb Jahren „explodiert“ und zwar so richtig, dass wir seitdem nicht mehr mithalten können.

    Manchmal macht mich diese Entwicklung nachdenklich…

  6. Super,

    ich liebe Zahlenspielereien und es ist schön, dass jemand das „es werden immer mehr Cacher“-Gefühl versucht hat fundiert zu analysieren.

    Hut ab. Scheint super rrecherchiert zu sein und sehr ansprechend geschildert.

    Grüße aus dem Pott

    • Hallo rondua,

      danke für dein Feedback!
      Anscheinend animiert das Thema „GC.com und Statistik“ einige Personen zu eigenen Versuchen. 😉 So habe ich als Reaktion auf diesen Artikel gleich mehrere Statistik-Erweiterungen bekommen, die durchaus interessant waren und bestimmt bald verarbeitet werden.

      Viele Grüße,
      Jens

      P.S.: Vorsicht Spoiler … dieser Artikel hilft bei dem angesprochenen Cache nur mittelbar. 😉

  7. Tach!

    Ich habe eine Idee, warum die Absätze von Smartphones 2011 zwar steigen, aber die Anmeldung der Cacher nicht. Es könnte sein, dass manch ein Smartphone Besitzer sich nach 1-2 Jahren einfach ein neues Smartphone gekauft hat und damit aber kein neuer Cacher wird. Das war beim Aufkommen des Smartphones (mit GPS) noch nicht so. Und wie man hört geht der Trend eh zum Dirtt-Handy 😀

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