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„Jeder spielt das Spiel, wie er will!“

Aktuell zähle ich mich wirklich nicht zu den aktivsten Geocachern. Es gab Zeiten da ging ich (nahezu) täglich los und suchte vor allem in Münster und Umgebung eine Dose nach der anderen. Aber Interessen ändern sich nunmal und so verlor Geocaching für mich mit der Zeit ein klein wenig an Reiz. Trotzdem suche ich natürlich auch weiterhin immer mal wieder den ein oder anderen Geocache, lege selbst welche aus und versuche vor allem thematisch am Ball zu bleiben. Dies gelingt mir unter anderem durch die Mitgliedschaft in verschiedenen Facebookgruppen, die sich um das Thema Geocaching drehen. Aber auch durch Foren, Blogs und Podcasts klicke, lese und höre ich mich relativ regelmäßig durch.

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Ein beliebig ausgewählter Facebook-Kommentar zu einem aktuell strittigen GC-Thema.

Dabei fiel mir in letzter Zeit immer wieder folgende Formulierung auf: „Jeder spielt das Spiel, wie er will!“. So oder so ähnlich lautet vielfach die Antwort auf kritische Beiträge und Kommentare zum (zweifelhaften) Verhalten mancher Geocacher bei der Ausübung ihres Hobbies. Ein auf den ersten Blick durchaus schlüssiges Argument … „chacun a sa façon“. Das Ganze ist ein Spiel, Menschen sind verschieden, wer bin ich anderen vorzuschreiben, wie sie etwas machen sollen usw …

Warum auch immer, aber mir stößt dieses angebliche „Argument“ der absolut freien Hobbyausübung immer mehr auf. Das mag vielleicht daran liegen, dass es stets nur dann verwendet wird, wenn sich jemand kritisch über andere Geocacher bzw. deren Verhalten auslässt und man dann damit totschlagmäßig dagegen halten kann. Zudem fallen in diesem Zusammenhang gerne auch mal so Formulierungen wie „Moralapostel“ oder „Cacherpolizei“. Da ist der Zusammenhang zu so anderen seltsamen „Reflexen“ der Cacherszene, wie zum Beispiel das Stichwort „Denunziantentum“ rund ums Geocaching schon recht naheliegend. Auch hierbei gab es zum Teil Reaktionen von Cachern auf kritische Beiträge anderer Cacher, wenn diese zum Beispiel unpassende Versteckorte oder naturschädigende Caches anprangerten. Ich kann davon selbst ein Lied singen …

Wenn aber zum Beispiel ständig jemand Caches in meiner Region oder Stadt nur mit „TFTC“ oder weniger loggt oder ganz offensichtlich Caches loggt, die er nicht gefunden hat oder sich trotz Abwesenheit mit eintragen lässt, dann gehört es sich in meinen Augen hier und da Kritik zu üben. Tut dies allerdings niemand, dann verkommt das Spiel, um das es hier geht, meiner Meinung nach mehr und mehr. Richtlinien und Regeln, ob durch Groundspeak, Gesetze oder eben nur informell festgesetzt, sind ja nicht dazu da uns Geocacher zu beschränken. Vielmehr lenken sie das Spiel in einigermaßen vernünftige und geordnete Bahnen.
Werden diese formellen und informellen Regeln allerdings nicht eingehalten – wenn auch nur von einer Minderheit – und niemand kritisiert dieses Verhalten, dann ist dies ein Freibrief für noch größeren Unsinn, wie zum Beispiel riesige Mystery-Lösungsdatenbanken, die offenbar neuerdings an massiver Beliebtheit gewonnen haben.

Natürlich schließe ich mich selbst nicht davon aus, auch schon gewisse formelle und informelle Regeln unserer Hobbies „gebrochen“ zu haben. Das wird jedem Cacher, der seit einige Zeit dabei ist schon unterlaufen sein. Aber persönlich habe ich das Gefühl, dass Geocaching mehr und mehr unter die Räder kommt. Und das nicht durch Politik, Jagd oder Forst, sondern vor allem durch uns Cacher selbst.

Wir Cacher brauchen in meinen Augen heutzutage mehr den je einen kritischen Blick auf uns selbst. Eine gesunde Kritikfähigkeit in Bezug auf gewisse Auswüchse muss erlaubt, nein sogar erwünscht sein. Ein Hobby oder Spiel, dass dagegen in der Beliebigkeit der Regellosigkeit verkommt, macht aus meiner Sicht keinen Sinn und schafft sich auf Dauer selbst ab.

Daher plädiere ich dafür, zu kritisieren und anzumahnen, wo es angebracht ist. Aufmerksam zu machen, wo andere nur etwas von „Jeder wie er will“ schreien. Und seine Meinung zu sagen, wenn wieder mal jemand demonstriert, dass Regeln, Richtlinien oder der gesunde Menschenverstand in seinem persönlichen Horizont keine Rolle spielen.

Autor: ehnatnor | Jens

Hier schreibt "ehnatnor", im normalen Leben hin und wieder auch mit "Jens" ansprechbar, rund ums Geocaching in Münster. Das Ganze kann aber auch weitere Kreise ziehen ... Du findest mich auch bei Facebook, Twitter und Google+.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Aus der Seele gesprochen. Respekt und Anerkennung. Ich denke seit jeder mit Smartphone und Tablet auf Suche gehen kann, wird unser Hobby zur Massenbewegung. Damit wird auch die Anzahl derer die unlauter arbeiten proportional größer. Aber wie bei vielen „Hypes“ wird auch dieser wieder abflauen, und dann ist wieder die Zeit der ernsthaften Dosenfischer gekommen. Freu mich schon auf diese Zeit ;-). Viele Grüße, Andreas

  2. „“Wenn aber zum Beispiel ständig jemand Caches in meiner Region oder Stadt nur mit “TFTC” oder weniger loggt oder ganz offensichtlich Caches loggt, die er nicht gefunden hat oder sich trotz Abwesenheit mit eintragen lässt, … , dann verkommt das Spiel, … “

    Seit 12 Jahren Geocacher und der Meinung, dass das ‚Spiel‘ längst verkommen ist.
    Mit ‚Schwindlern‘, ‚Lügnern‘ und ‚Betrügern‘ wird man eben leben müssen – da unterscheidet sich Cachen nicht großartig von der normalen Welt.
    Wie krank ist das beim Geocaching in der Zwischenzeit vieles geworden. Es gab mal Zeiten, da sollte es einfach Spaß machen!
    Aber hatten wir das nicht alles schon mal ? CB-Funk? Jedes Hobby hat mal seine Zeit…

  3. Naja, ich habe viel um Stuttgart Dosen gesucht und wurde seltenst enttäuscht. Mittlerweile wohne ich in einer kleinen Stadt und hier gibt es einen älteren Cacher, der schmeißt überall seine Fotodosen und PETlinge als Challenge oder miese Ratehaken, bei denen man nicht weiß ob die üble Rechtschreibung zum Rätsel gehört, aus. Als ich einmal zufällig eine seiner Challenges erfüllte und als FTF die Dose nicht fand weil die Koordinaten mindestens 30m im Off in der Wiese waren und nachfragte, hat er mich blöd angemacht und die Challenge so verändert, dass meine Lösung nicht mehr angenommen werden kann. Der ist der Cachergott. Nummeriert auch seine Powertrails mal von vorne nach hinten komplett um, löscht Dosen nach 3 Monaten um sie wieder zu publishen oder legt Dosen an der Bundesstraße da aus, wo man nicht parken kann und auf der anderen Seite Schienen sind. Schreibt in die Beschreibung, dass es nur Statistikpunkte sind, etc… Älteres Baujahr, anscheinend Frührentner wobei ich mir vorstellen kann, dass der einfach zu „eigen“ ist um nen Job zu bekommen. Das Lustige ist, dass der sich früher schon ähnlich viele Freunde gemacht hat als er noch weiter weg wohnte. Ohne seinen Namen zu nennen kennen den erstaunlich viele Cacher in der weiteren Umgebung.
    Und genau so jemand macht mir den Spaß am Cachen kaputt. Eine Person. Ein Typ, der so „spielt“ wie er will. Und er spielt nicht nur wie er will, sondern alle anderen müssen genau so spielen wie er will!!! Auf ein Angebot, mal einen Kaffee zu trinken weil ich ihm anscheinend nicht passe, konterte er mit MEINER Cachehistory und wie oft ich wo nachgefragt hätte, zu dumm gewesen wäre, einen Event trotz Anmeldung (bei der ich angab dass ich nur vielleich komme) nicht besuchte und überhaupt nicht des Cachens würdig wäre.
    Ansonsten habe ich lustigerweise mit niemand ein Problem, erkenne aber allzu oft, dass die Leute mit hohen Fundzahlen tendenziell auch die Dosen loggen, die nicht mehr vor Ort sind oder die sie nicht gefunden haben.
    Wirklich aufregen tu ich mich nur noch wenn jemand das Zeckenattribut nicht vergibt, nochmal krank werden muss ich nicht… Kommt aber nicht mehr oft vor, weil ich einfach nicht mehr so oft cachen gehe…

  4. Danke für den sehr guten Beitrag. Der trifft genau (leider) den Punkt. Entwendete Coins, Caches die ohne Fund geloggt werden etc. Danke auch für den Hinweis der Geocaching-Mystery Datenbank. Hier habe ich leider auch einen meiner Caches entdecken müssen. Da kann man natürlich drüber stehen und sagen: bringen Sie sich halt selbst um den Spaß. Mich ärgert sowas aber sehr. Den Kreis derer, die aus der Region die Datenbank gefüttert haben können, ist sehr klein. Aber was soll man hier machen?

    Einen Vorschlag hätte ich allerdings. Ein Limit von Caches die man neu legen darf. Sagen wir mal nur einen neuen Cache alle 2 Wochen? War natürlich nicht ganz ernst gemeint – hier würden zu viele widersprechen und groundspeak hätte bestimmt auch kein Interesse die Anzahl der aktive Caches zu „drosseln“.

    Da ich kein Freund von Facebookgruppen bin und nicht genug Zeit habe jeden Blog zu lesen, freue ich mich über Neuigkeiten hier in diesem Blog. Danke Jens.

  5. Seit einigen Tage lese ich passiv alle möglichen Blogs und frage mich hier und da immer wieder, ob ich was antworten soll. Oft fehlt mir die Motivation, da ich denke diejenigen, die das Spiel meines Erachtens nach „falsch“ spielen lesen es doch eh nicht. Nun aber finde ich Deinen Beitrag hier und will Dir einfach meine Zustimmung aussprechen, ja, auch mich stört der Satz „jeder wie er will“, weil er eben nicht wirklich so beachtet wird, wie er verstanden werden müsste.

    Ich für meinen Teil habe Spaß an Rätseln. Ich löse sie selbst, fast immer versuche ich völlig ohne Hilfe auszukommen, mitunter frage ich nach einem Tipp (meist beim Owner selbst) aber das wurmt mich schon. Koordinaten aus einer Datenbank zu nehmen liegt mir ferner als alles andere – was wäre der Spaß daran?

    Nun sagen die Mystery-Gegner, die ich ja auch verstehen kann, dass Ihnen das Rätsel nur ein Hindernis auf dem Weg zum Log ist. Sie möchten nicht denken, sie möchten in der Natur sein. Mal abgesehen davon, dass die meisten, die das sagen am liebsten mit dem Auto bis zur Dose fahren und sich ärgern wenn auf dem Weg vom Final zum Auto 500 Meter ohne Bonus „Punkt“ verstreichen, es sei ihnen doch gegönnt, nicht nachdenken zu müssen! Dafür gibt es doch die anderen Typen des Geocachings. Wenn also der, der einfach direkt zur Dose möchte bitte einfach nur Traditionals suchen würde! Dann könnten die andern doch wunderbar weiter Multis und Mysteries suchen. Wenn die Mysteries auch nur noch diejenigen machten, die Bock drauf haben, würden Owner auch weniger legen, weil sie für gewöhnlich auch möchten, dass die Dosen gefunden werden.

    Ich bin total FÜR „jeder wie er möchte“, ich bin aber dafür, dass „jeder AUF FAIRE ART wie er möchte“.

    Als Mystery-Owner ist mir ziemlich egal, wer durch Datenbank oder durch Lösung zum Final marschiert. Es geht ja darum, dass die Leute dabei eine gute Zeit haben. Und wenn sie sich über den „Punkt“ freuen, ohne das Rätsel gemacht oder verstanden zu haben, was solls. Ich kann sie nicht zwingen mein „Werk“ verstehen zu _wollen_. Und ob die Koordinate nun aus einer Datenbank kommt oder von Freundcacher XY, was macht da den Unterschied.

    Wichtig ist es mir als Mystery-Löserin! Denn ich schiele schon auf die Statistik. Ich mag Zahlen und ich bin zum Beispiel ziemlich stolz drauf, dass ich bei über 4000 Funden eine Tradiquote von unter 50% erreicht habe. Das soll mal einer nachmachen! FTFs kann ich nicht, dazu bin ich auf dem Rad zu langsam. Fünfstellige Anzahl Funde kann ich auch nicht, mein Aktionsradius ist zu klein. Also bin ich stolz auf das, was mich auszeichnet: Lange Logs, viele Un-Tradis, krasse Challenges. Aber doch nur, wenn ich das auch ehrlich erreicht habe.

    Was mich dann stört ist, dass um mich herum alle Möglichen Cacher 1000 Mysteries gefunden haben und ich denke was müssen die schlau sein, und dann stellt sich raus die sind blöd wie Brot. Oder ich denke so viele T5er oder Multis oder was auch immer, ihr seid aber echt fleißig und dann stelle ich fest, die machen aus jeder Dose einen Tradi und lassen sich bei Dosen an die sie nicht heranreichen von anderen eintragen. Das schmälert im Vergleich _meine_Leistung!

    Logisch, jetzt kommt mir der nächste mit „du machst das doch nicht für deinen Erfolg“ oder „DU weißt ja aber dass DU ehrlich bist“ und da muss ich sagen „jain“, natürlich gehe ich cachen aus anderen Gründen als „nur“ Gummipunkten, aber mir darf doch Statistik „auch“ Spaß machen? Und dass ich nicht schummele, andere aber schon, das kann die Zahl nicht unterscheiden. Und dieser „auch“ Spaß an Statistik und dem Wetteifer und dem „sportlichen Messen“, der für mich ganz sicher nicht der Hauptteil, aber durchaus auch eine Facette vom Geocaching war, den zerstören mir die „Betrüger“ damit und das ist der Grund weswegen ich mich ärgere.

    Wobei auch nicht lang. Weil ich weiß, dass es ein Spiel ist und meine Gesundheit und gute Laune wichtiger als das. Aber es hätte doch nicht sein müssen oder? Wenn einfach jeder macht, was er kann und will ohne zu schummeln und den Rest einfach liegen lässt.

    my 2 (vielleicht eher 20 sorry) cents.
    Bibi

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