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GecKo 2012 … Kommunikation ist das Stichwort!

In der Nähe von Schwerte fand an diesem Wochenende die Geocaching-Konferenz statt, kurz GecKo-Event. Das Event lief vom Freitag bis zum heutigen Sonntag. Also quasi ein Multi-Event. 😉 Ich besuchte das Event nur am gestrigen Samstag, habe dabei aber einige Workshops und vor allem die Podiumsdiskussion mitnehmen können.

Den Hintergrund zu diesem Event beschreiben die Owner im Listing, wie folgt:

„Seit 12 Jahren gibt es Geocaching. Inzwischen liegen weltweit über 1,5 Millionen Caches aus und mehr als 5 Millionen Geocacherinnen und Geocacher machen sich mehr oder weniger regelmäßig auf die Suche!
Für uns gehört zu unserem Hobby respektvoller Umgang mit der Natur, der Umwelt und unseren Mitmenschen.
Die Regeln und Werte müssen wir dafür nicht neu erfinden, sie sind bereits festgelegt. Sie umzusetzen ist eine stetige Aufgabe.
GecKo, die Geocaching Konferenz, kann dazu ein Beitrag sein.“

Den Teilnehmern wurden zum einen verschiedene, allgemeinere Workshops angeboten: T5-Baumklettern, Bogenschießen, Bergbau-Besichtigung, Wherigo-Cachen oder ein GPS-Workshop. Zum anderen standen aber Workshops und Diskussionen rund um das Spannungsfeld „Geocaching und Naturschutz“ im Vordergrund. Hierzu gab es Vorträge von Umweltcacher.de oder Natur-Exkursionen zum Thema „Tiere beobachten, finden und schützen“.

Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen

Die Podiumsdiskussion am Samstagnachmittag (Live-Mitschnitt zum „Nachhören“) war dann aber wohl der inhaltliche Höhepunkt des Events. Allein die Liste der Diskussionsteilnehmer zeugte von der Ernsthaftigkeit, die diesem Event anscheinend beigemessen wurde. Für rechtliche Fragen bezüglich des Geocachings in der freien Natur nahm Prof. Dr. Hans Walter Louis teil, seines Zeichens Schriftleiter der juristischen Fachzeitschrift „Natur und Recht“ des Springer Verlags und Co-Autor der beiden viel beachteten Aufsätze zu rechtlichen Aspekten des Geocachings. Weiterhin nahm der deutsche Reviewer stash-lab (Andreas Kramer) teil, der bereits in einigen vorherigen Veranstaltungen gemeinsam mit Reviewer-Kollegen den Kontakt mit Jägern, Naturschützern und Förstern erfolgreich aufgenommen hat. Die Seite der Jägerschaft wurde durch Andreas Schneider vertreten, der Leiter des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen e.V. ist. Als letzter Teilnehmer der Podiumsdiskussion ist Martin Sturzenhecker vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW anwesend. Der Landesbetrieb vertritt in NRW zum einen die Interessen der größtenteils privaten Waldbesitzer, aber ist natürlich ebenfalls für den Staats- und Kommunalforst verantwortlich.

Die Podiumsdiskussion und der anschließende Austausch mit den anwesenden Geocachern verlief unaufgeregt und war von gegenseitigem Verständnis geprägt. Beim Thema „T5-Klettern in Bäumen“ (ohne Genehmigung des Besitzers) kochte bei einigen Anwesenden die Stimmung allerdings etwas hoch. Prof. Dr. Louis stellte aber hier, wie auch in seinen Aufsätzen, nochmals klar, dass dies nicht über das allgemeine Waldbetretungsrecht zu rechtfertigen sei und in jedem Fall eine Absprache mit dem Waldbesitzer erfolgen müsse.

Die Essenz der gesamten Diskussion lässt sich auf eine Aussage reduzieren: „Kommunikation ist der Schlüssel!“ Mit Kommunikation ist einerseits der Austausch zwischen Geocachern und Waldbesitzer, Jägern und Naturschützern gemeint. Andererseits  ist damit aber auch das Kommunizieren des Spannungsfeldes „Geocaching und Naturschutz“ innerhalb der Community gemeint. Nur wenn mehr und mehr Geocacher für einen respektvollen Umgang mit der Natur sensibilisiert werden, kann ein erfolgreicher Ausgleich unserer Interessen als Naturnutzer und der Interessen der Waldbesitzer, Jäger und Naturschützer stattfinden.

Förster, Kreisjagdverbände und Hegeringe – Ansprechen!

Aus den Diskussionsbeiträgen des Landesjägerverbands und des Landesbetriebs Wals und Holz war zu entnehmen, dass sich Geocacher aufmachen sollen und Jäger sowie Förster anzusprechen. Es geht um die Kontaktaufnahme, im Idealfall bevor ein Cache als Negativbeispiel vor Ort aufkommt und im schlimmsten Fall die Stimmung „vergiftet“ und somit das gegenseitige Verständnis erschwert.
Als Ideen einer möglichen Kontaktaufnahme und weiteren Verfahrensweise wurden u.a. folgende Vorschläge gemacht:

  • Einladung des lokalen Försters, Kreisjägerschaft-Leiters oder des entsprechenden Hegering-Leiters zu einem thematischen Geocaching-Stammtisch
  • Bildung eines Kreises von lokalen Ansprechpartnern unter den Geocachern für Förster und Jäger, die bei kritischen Geocaches vermitteln können
  • Durchführung von thematischen Events bei denen Jäger und/oder Förster die lokale Geocacher-Community für Aspekte des Naturschutzes sensibilisieren können und so auch Kontakte entstehen – bestes Beispiel: „Auf ein Bierchen mit dem Förster

Um solche Kontakte überhaupt herstellen zu können, muss man natürlich auch die jeweiligen Ansprechpartner kennen. Diese sind auf Seiten der Jägerschaft und des Landesbetriebs Wald und Holz glücklicherweise fix aus zu machen.
Über die Webseite des Landesjagdverbands NRW erlangt man Zugriff auf alle Kreisjägerschaften in NRW. Diese Untergruppierungen des Landesverbands weisen allesamt eine eigene Webseite auf. Hier werden die lokalen Ansprechpartner auf Kreisebene benannt. Ebenso erhält man auf den Seiten der Kreisjägerschaft in der Regel auch alle Informationen zu den lokalen Hegeringen, den kleinsten Organisationseinheiten der Jäger.
Der Landesbetrieb Wald und Holz, als Vertreter der Interessen der privaten und staatlichen Waldbesitzer, zeigt auf seiner Webseite ebenfalls vorbildlich alle Kontaktinfos zu den Regionalforstämtern und so auch zu den Förstern auf. Über die Seite eines Regionalforstamtes kann man jeden einzelnen Förster des jeweiligen Regionalforstbezirks ausmachen, indem man am Rand der Webseite auf „Ihre Försterinnen und Förster vor Ort“ klickt (siehe Bild).

Für Münster sind folgende Kontakte zu nennen, die man nach einer vorherigen Absprache innerhalb der lokalen Community im Idealfall gemeinsam anspricht:

In welcher Form, von wem und vor allem wann es eine Kontaktaufnahme hier vor Ort geben wird, ist derzeit noch nicht ganz klar. Man hört von Events, die bereits im Kreis Steinfurt in der Planung seien und auch auf Münster ausgedehnt werden sollen. Aber konkret gibt es meines Wissens in Münster noch keine wirkliche Planung in dieser Richtung. Schaun wa mal …

Vorhandene Informationen über Gebiet als Cache-Owner nutzen

Eine der Maßgaben, die aus den Vorträgen von Landesjagdverband und des Landesbetriebs Wald und Holz hervorging, war, dass sich Geocacher, die einen Cache auslegen wollen, vorab möglich genau über das Gebiet informieren sollen. Vor allem in Naturschutzgebieten und anderen streng geschützten Bereichen der Natur führten veröffentlichte Caches immer wieder zu erheblichen Problemen. Diesen Problemen kann im Vorfeld aus dem Weg gehen, wenn man sich richtig informiert. Hierzu stellt des Landesamt für  Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) ein umfangreiches Kartenwerkzeug zur Hand. Unter www.naturschutzinformationen-nrw.de erhält man Zugriff auf sämtliche Informationen und Karten:

Nach dem Heranzoomen der gewünschten Kartenbereiche kann man über den „i“-Knopf in der Werkzeugleiste ganz schnell die Informationen zu einem markierten Schutzgebiet abrufen. Neben dem Gebietsnamen und vielen verwaltungstechnischen Infos wird auch immer das Schutzziel angegeben.

 

Erst die Zukunft wird zeigen können, ob die Geocaching-Konferenz an diesem Wochenende für einen nachhaltigen Erfolg in punkto Austausch und Ausgleich unterschiedlicher Interessen sorgt. Nun sind wir Geocacher gefordert Fakten zu schaffen und aktiv mit den Konfliktpotentialen umzugehen. Der Kontakt zwischen den beiden Interessengruppen, Geocacher auf der einen und Jäger, Förster und Naturschützer auf der anderen Seite, ist geboten und dürfte ein wichtiger Schritt sein. Nur wenn wir selbst aktiv werden, können wir dafür sorgen, dass in der NRW-Politik auch weiterhin keinerlei Bestrebungen bestehen, Geocaching in irgendeiner Form explizit einzuschränken. Im Gegensatz zu  manch anderem Bundesland können wir in NRW noch von einer eher positiven Aufgeschlossenheit gegenüber Geocaching sprechen. Schauen wir, dass es dabei bleibt!

Autor: ehnatnor | Jens

Hier schreibt "ehnatnor", im normalen Leben hin und wieder auch mit "Jens" ansprechbar, rund ums Geocaching in Münster. Das Ganze kann aber auch weitere Kreise ziehen ... Du findest mich auch bei Facebook, Twitter und Google+.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo ehnatnor,
    das ist ne prima Zusammenfassung des Konferenzwochenende. Am Besten gefällt mir aber, dass du dir die Arbeit gemacht hast und Adressen der Karten rausgesucht hat.
    So etwas brauchen wir. Also weiter so.
    Und bei der nächsten Gecko schaffen wir es auch die Blogs zu vernetzen 🙂

  2. Naja,
    viele Wünsche, aber nur sehr wenig umsetzbar davon. Wenn man sich den steigenden Cacherzahlen und versteckte Caches anschaut, erkennt man schnell, hier wird viel ohne Nachdenken gemacht und die meisten wollen heute nur noch den schnellen Spaß/Freizeitausgleich, ohne sich viel mit irgendwelchen Sachen beschäftigen zu müssen. Da sind solche Vorschläge zwar sinnvoll, aber kaum einer wird sich mit irgendwelchen Vorschriften, Gesetzen, etc. auseinandersetzen.
    Schlussendlich wird es immer mehr Verbote geben, dank der heutigen Zeit des Cachens und der immer größer werdenden Community.

  3. Eine sehr schöne Zusammenfassung der interessanten Podiumsdiskussion.
    Jetzt bleibt nur zu hoffen dass die vielen positiven Ansätze auch flächendeckend Eingang in die Community finden und insbesondere bei denen ein Umdenken anstoßen, die sich bisher herzlich wenig um die Natur gekümmert haben.

  4. Bleibt zu hoffen, dass die Dialogsuche den Geocachern in NRW nicht genauso übel in Form von Verboten um die Ohren fliegt, wie bei diesem hässlichen Fall in Hessen vor einiger Zeit, wo sich auch beide Seiten nach freundlicher Diskussion (wohlwollend ?) und zur Zufriedenheit der wortstarken Cacher auf „wir bleiben auch zukünftig im Gespräch“ geeinigt hatten.
    Dann kam – o wundersames Wunder – plötzlich eine Gesetzesverschärfung. Die damals beteiligten Cacher müssen sehr irritiert gewesen sein. Jedenfalls hat sich in der Folge keiner mehr zu diesem fiesen Problemchen öffentlich geäußert.

    Ich befürchte Übles und nach und nach werden die Bundesländer knapp.

    Grüße vom Argus!

    • ehnatnor / Jens 11. Juni 2012 um 11:37

      Hallo argus1972,

      das hört sich nicht so toll an …
      Wenn in NRW allerdings schon die CDU auf einem parteipolitischen Symposium mit dem Waldbauernverband NRW, also dem Lobbyverein der Waldbesitzer, eindeutig sagt, dass „Konflikte zwischen den verschiedenen Interessen gemeinsam zum Ausgleich gebracht werden müssen“ und dies auch für „neue Phänomene wie das so genannte Geocaching im Wald“ gelte, dann ist zumindest von landespolitischer Seite hier in Nordrhein-Westfalen erstmal kaum Druck zu erwarten. Die aktuelle Landesregierung sieht dies ähnlich. Die bestehenden Gesetze würden ihrer Ansicht nach ausreichen und müssten nicht explizit für das Geocaching erweitert werden.
      Allerdings besteht auf Kreis- und kommunaler Ebene eine erhöhte Gefahr, dass es Einschränkungen und Verbote in Zukunft geben könnte. Und da kann man im Idealfall besser vorbeugend tätig werden, auch unter der gefahr „schlafende Hunde zu wecken“. 😉

      Viele Grüße aus Münster,
      Jens

      • Hi Jens,

        insgesamt stimme ich Dir vollkommen zu und es ist wirklich an der Zeit, dass in irgendeiner Weise ein Konsens mit dem Rest der Menschheit bezüglich unserer Dosen gefunden wird.
        In irgendeiner Weise, egal wie!

        Bleibt nur zu hoffen, dass auch die Vernunft und Selbstbeschränkung der Hobbykollegen mal endlich greift, zukünftig weniger massenhaft das Grünzeug auf Rundkurs in die Gegend gekippt wird und somit Geocaching dank überschaubaren Umfangs sowohl der Dosen als auch der Sucher, schlichtweg weniger zum Störfaktor für Umgebung, Waldbesitzer und die Jagd wird, so dass von diesen Seiten aus Toleranz gegenüber unserem insgesamt vollkommen harmlosen und in aller Regel auch durchaus umgebungskonform gespielten Spiels geübt werden kann.
        Was die Community im Moment beim Dosenlegen praktiziert, ist für meine Begriffe Brutforce und offene Provokation!
        Dass das kein Wohlwollen auslösen kann, ist ein klarer Fall. Viele Waldbesitzer müssen Schnappatmung bekommen, wenn sie einen Blick auf die Cachekarte werfen.

        Ich würde es wirklich inzwischen für angebracht halten, dass schlichtweg für jeden neuen Cache tatsächlich die schriftliche Erlaubnis vom Landbesitzer eingeholt werden müsste, bevor er scharf geschaltet wird. Dieses Lippenbekenntnis der kleinen Schaltfläche ist graue Theorie und sollte konkretisiert werden.

        Damit wären sämtliche Probleme im Keim erstickt und es würde nebenbei mit ziemlicher Sicherheit sogar zu höherer Dosenqualität führen, weil es dann plötzlich mit erhöhtem Aufwand verbunden ist und dadurch vermutlich nicht mehr jede hirnverbrannte Neudose scham- und gedankenlos in die Gegend geplästert wird, wie es zur Zeit der Fall ist.

        Dummerweise hat nach meinen Beobachtungen der große Portalbetreiber aber nicht das geringste Interesse daran, so dass die Aktiven es ausschließlich selbst in der Hand haben, wie viel Gegenwind dem Hobby zukünftig noch entgegenwehen wird, oder eben nicht.

        Viele Grüße vom argus!

        • Argus Worten kann ich mich nur anschließen. Solange es nicht zu einer funktionierenden Selbstregulation kommt, steuern „wir“ uns selbst auf den Abgrund zu. Groundspeak hat kein Interesse den boomenden deutschen Markt durch eine harte Durchsetzung der eigenen Regeln zu verlieren.

          • Klar ist Groundspeak auf eine hohe Nutzerzahl aus, aber die Frage ist, wie nachhaltig Groundspeak an einem Erfolg interessiert ist. Klar würde eine striktere Auslegung der Reglen sicher dazu führen, dass der Boom abflacht, aber das Hobby auf Dauer bestehen bleiben kann.

            Ignoriert man die aktuellen Entwicklungen, bis das von der Legeslative ein Riegel vorgeschoben wird, flacht nicht nur der aktuelle Boom ab, sondern die geldbringenden User wenden sich wieder ab.

  5. Herzlichen Dank für die Zusammenfassung.
    Leider konnte ich auf Grund der Entfernung nicht teilnehmen.
    Auch ich hoffe, daß ein Umdenken bei uns Geocachern stattfinden wird.

    Herzliche Grüße,
    Dagobert2010

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