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Nachtcaches und Wildunfälle in Münster … eine Analyse

Die Tage werden wieder kürzer und die dunkle Jahreszeit hat längst begonnen. Das läutet für viele Geocacher regelmäßig den Beginn der „Nachtcache-Saison“ ein. Neue NCs werden vermehrt ins Leben gerufen und bestehende werden stärker frequentiert, als zum Beispiel in den Sommermonaten. Dadurch tritt aber auch wieder eines der Themen auf den Plan, welches seit Jahren das durchweg höchste Konfliktpotential zwischen Geocachern und Förstern, Jägern sowie Naturschützern bietet.
Blättert man – vor allem im Frühjahr – in seiner Lokalzeitung, wird man vermehrt Berichte über die jährlich stattfindenden Hegeringtreffen der örtlichen Jägerschaft finden. Neben vielen anderen Informationen aus dem Hegering wird in solchen Berichten in der Regel immer wieder ein Punkt besonders genannt und hervorgehoben:

„Das Problem daran ist, dass sich diese Suche immer mehr auf die Nacht verlagert“(…). Denn der nächtliche Abenteuerspaß bringt viel Unruhe in die Wälder und treibt die Tiere direkt aus dem Wald vor das nächste Fahrzeug. (Quelle: WN.de)

So oder so ähnlich wird immer wieder berichtet. Mal abgesehen von der oftmals formulierten Pauschalität der Behauptung, Geocacher seien an Wildunfällen Schuld, kann man erkennen, dass sich die Kritik der Jäger in den letzten Jahren vor allem auf das Geocaching bei Nacht verlagert. Von der ebenfalls oftmals kritisierten Suche querwaldein liest man dagegen in letzter Zeit verhältnismäßig wenig.
Das oben angegebene Zitat entstammt einem inzwischen relativ bekannten Artikel, der in den Lokalzeitungen rund um Münster im März 2011 kursierte. Die Mitglieder des Füchtorfer Hegerings hielten ihr jährliches Treffen ab und unter der Überschrift „Geocaching wird zum Problem“ wurde in den Zeitungen berichtet.
Anlass des Aufruhrs der Jägerschaft war ein Nachtcache in einem großen Waldgebiet nahe Telgte im Osten Münsters. Der Multi-Cache wurde vom Owner auf Anfrage des Jagdpächters geschlossen. Dieser hatten den Owner des Nachtcaches zuvor kontaktiert, da es auf der durch das Waldgebiet führenden Straße wohl zu einer ungewöhnlichen Häufung von Wildunfällen gekommen sei. Er hätte den lokalen Nachtcache in Verdacht.
Vielfach wurden zu diesem Thema damals Blogposts und Foreneinträge verfasst. So wurde ich erstmals überhaupt auf den möglichen Zusammenhang zwischen Geocaching und Wildunfällen aufmerksam. Bis dato hatte ich mir keinerlei Gedanken zu dem Thema gemacht.
Natürlich hatte ich beim Nachtcachen schon mal Wildtiere bemerkt und bestimmt auch aufgeschreckt, aber das dadurch unter Umständen Wildunfälle auf nahen Straßen geschehen könnten, kam mir nie in den Sinn. Die Erläuterungen in den wenigen differenzierten Blogposts und Forenbeiträgen und durch ein Telefonat mit dem besagten Cache-Owner zeigten mir aber, dass dieses Problem definitiv kein Hirngespinst ist.
Wenn auch nur ein theoretischer Zusammenhang zwischen dem Geocachen bei Nacht und Wildunfällen gezogen werden kann, so bestehen zumindest starke Vorbehalte gegenüber dieser Form des Cachens bei Jägern, Förstern und Naturschützern. Dem gilt es entgegenzuwirken … durch Sensibilisierung der Geocacher für das Thema und durch das Aufzeigen, an welchen Orten das Geocaching bei Nacht aufgrund bereits bestehender hoher Wildunfallzahlen kritisch sein könnte. Da fähigere Autoren sich dem ersten Punkt bereits ausführlich gewidmet haben, nahm ich mir im Frühjahr dieses Jahres den zweiten Punkt vor.

Beschaffung der Daten zu Wildunfällen in Münster

Durch eine Pressemitteilung der Polizei Münster Ende April 2012 wurde ich wieder auf das Thema der Wildunfälle aufmerksam. Daraufhin schrieb ich ganz naiv die Pressestelle mit der Bitte an, mir Statistiken der letzten Jahre zu Wildunfällen in Münster zu senden.
Vom Leiter der Pressestelle wurde mir zunächst schnell und auch positiv geantwortet. Allerdings erhielt ich einige Tage später eine Nachricht der Datenschutzbeauftragten der Polizei Münster, die mir mitteilte, dass ich als Bürger nach dem Informationsfreiheitsgesetz zwar Anspruch auf diese Daten erheben könnte, aber dass ich wegen des Aufwands mit Kosten von bis zu 500€ rechnen müsse. Dies lehnte ich dankend ab. Somit war das Thema zunächst für mich erledigt.
Rund einen Monat nach meiner ersten Anfrage an die Pressestelle erhielt ich allerdings eine Mail vom Verkehrskommisariat der Polizei Münster, in welcher mir mitgeteilt wurde, dass ich die Daten nun doch bekommen würde. Von Kosten war keine Rede mehr. Und so erhielt ich letztlich alle Daten zu Wildunfällen, die von 2007 bis 2011 im Stadtgebiet geschahen.
Diese Daten habe ich in den letzten Wochen und Monaten aufbereitet, so dass die lokale Geocacher-Community für zukünftige Nachtcache-Projekte eine Möglichkeit hat, den Aspekt der Wildunfälle in die Planungen einzubeziehen.

Warum wandte ich mich überhaupt an die Polizei?

Geschieht ein Wildunfall mit einem Kraftfahrzeug, entsteht in der Regel ein Schaden am Fahrzeug. Dieser Schaden wird normalerweise über die Versicherung des Fahrers beglichen. Um dies zu erreichen, muss der Wildunfall aber von der Polizei aufgenommen und bestätigt werden. Somit dürfte die Polizei über eine den Großteil der Wildunfälle Bescheid wissen. Weiterhin muss die Polizei sowieso bei einem Wildunfall verständigt werden, damit diese den zuständigen Jäger benachrichtigen kann, damit sich dieser um das getötete oder verletzte Wild kümmert.

Allgemeines zu Wildunfällen in Münster

Wie fast überall in der Bundesrepublik, ist auch in Münster die Anzahl der Wildunfälle in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Im Jahr 2007 wurden 222 Unfälle mit Beteiligung von Wild, fast ausschließlich Rehwild, gezählt. Bis 2011 stieg die Zahl kontinuierlich auf 293 Unfälle an. Das bedeutet eine Steigerung von ca. 32% gegenüber 2007.

Da in diesem Zeitraum in Münster nahezu keine neuen Straßen durch Gebiete mit viel Wild gebaut wurden, lässt sich diese Steigerung wohl vor allem auf die Zunahme des motorisierten Verkehrs zurückführen. Ebenso dürfte der stark gestiegene Freizeitdruck durch  Geocacher, Moutainbiker und andere Naturnutzer auf das Wild für einige Störungen im Wildbestand gesorgt haben.
Jetzt zu Beginn der dunklen Jahreszeit steigt wieder das Risiko in einen Unfall mit Wildtieren verwickelt zu werden. Es wird früher dunkel und die Straßen können rutschig sein. Zudem wechselt das Wild in Hinblick auf die kommenden kalten Monate die Futterreviere und wird dazu auch Fahrbahnen kreuzen.
Aber auch im Frühjahr, vor allem in März, April und Mai steigt in Münster die Gefahr eines Wildunfalls deutlich an. Dies dürfte einerseits auf die Brut- und Setzzeit (Anfang April bis Mitte Juli) zurückzuführen sein, in der Wildtiere besonders empfindlich auf Störungen reagieren. Zum anderen fallen durch die Umstellung auf die Sommerzeit der Berufsverkehr und die Dämmerung zusammen, in welcher die Tiere in der Regel sehr aktiv sind.
Weiterhin ist zu beobachten, dass der weitaus überwiegende Teil der Wildunfälle erwartungsgemäß bei Dunkelheit geschieht. Bei Tageslicht und in der Dämmerung geschehen in Münster zusammen genommen lediglich 30-40% aller Wildunfälle. Dies bedeutet für die Nacht besondere Aufmerksamkeit als Autofahrer.
Nachtcaches und Wildunfälle in Münster – ein Zusammenhang?

Anhand der Wildunfall-Daten, die mir die Polizei Münster zugesandt hatte, erstellte ich zu den Datenbeständen der Jahre von 2007 bis 2011 Karten in Google Earth, in denen ich die Unfallorte möglichst genau markierte. In der Regel ging dies sehr genau, dank guter Ortsbeschreibungen, hin und wieder war eine Lokalisierung des tatsächlichen Unfallortes aufgrund einer mangelhaften Beschreibung eher schwierig.
Weiterhin erstellte ich eine Liste aller Nachtcaches (ohne Gewähr), die in den Jahren seit 2007 in Münster existierten. Ihre Lage habe ich ebenfalls in die Unfallkarten eingefügt. Allerdings habe ich nicht all diese Nachtcaches (über 30 insgesamt) selbst suchen können, da einige vor meinem Start als Geocacher schon längst wieder archiviert wurden. In solchen Fällen habe ich das wahrscheinliche Cache-Gebiet etwas großräumiger gekennzeichnet. Im Großen und Ganzen dürften die Daten zur Lage der Nachtcaches aber relativ exakt sein.

Durch die Verbindung der Unfalldaten und der Lage der Nachtcaches in den Google Earth-Karten, konnte ich solche Unfälle, die im direkten Umfeld eines NCs geschahen, direkt ausmachen. Diese habe ich entsprechend mit Datum und Uhrzeit und einem roten Marker gekennzeichnet. Alle Unfälle, die entweder nicht in Nachtcache-Gebieten liegen oder von der Tageszeit her absolut keinen Zusammenhang mit den nächtlichen Aktivitäten von Geocachern zusammenhängen können, wurden mit einem blauen Marker gekennzeichnet.

Die gekennzeichneten Unfälle, die im direkten Nachtcache-Umfeld liegen, müssen natürlich nicht zwangsläufig mit der Dosensuche bei Nacht zusammenhängen. Hier eine Auflistung der Unfälle im direkten Umfeld der NCs. Aber pauschal ausschließen würde ich es auch nicht. Zumindest in einigen Gebieten kann ich mir einen gewissen Zusammenhang durchaus vorstellen. Auf jeden Fall ist es in solch kritischen Ecken Münsters nach meiner Meinung nicht ratsam einen Nachtcache zu betreiben.
Auch wenn der Zusammenhang zwischen Wildunfall und Nachtcache nur theoretisch besteht und schwerlich nachweisbar ist, dürften Jäger, Förster, Naturschützer oder die zuständige Behörden nicht besonders erfreut sein. Jeder zusätzliche Störfaktor in Gebieten mit hohen Wildunfallzahlen dürfte über kurz oder lang zumindest negative Reaktionen hervorrufen. Und das muss ja nicht sein!

Um diese für Nachtcaches kritischen Gebiete in Münster aufzuzeigen, habe ich eine weitere Karte erstellt, welche kumuliert die Unfallschwerpunkte der letzten fünf Jahre in möglichen und tatsächlichen Nachtcache-Gebieten aufzeigt. Die Straßenabschnitte, auf denen sich über die Jahre immer wieder gehäuft Unfälle ereigneten, habe ich grün markiert.

Anhand dieser Karte kann man sich bei Bedarf schnell informieren, wo Nachtcaches unter Rücksicht auf Wildunfälle möglich wären. Und diese Gebiete gibt es nach wie vor! Allerdings sollte auch hier im Idealfall eine Absprache mit dem zuständigen Jäger oder Forstwirt vorab passieren. Diese Personen wissen noch besser über mögliche Gefahren Bescheid und können noch viel bessere Ratschläge für die Wahl des richtigen Nachtcache-Gebietes geben … sofern sie denn wollen. 😉 Die Kontaktdaten von zuständigen Personen in Münster hatte ich bereits in einem vorherigen Artikel aufgelistet. Lasst uns davon Gebrauch machen!

Das Foto des verunfallten Wilds stammt vom flickr-User gynti46 und wurde unter CC BY-NC-SA 2.0 lizensiert.

Autor: ehnatnor | Jens

Hier schreibt "ehnatnor", im normalen Leben hin und wieder auch mit "Jens" ansprechbar, rund ums Geocaching in Münster. Das Ganze kann aber auch weitere Kreise ziehen ... Du findest mich auch bei Facebook, Twitter und Google+.

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein sehr gut recherchierter Artikel, der einerseits zeigt, dass Pauschalisierungen nicht angebracht sind und andererseits wertvolle Hinweise für potentielle NC-Owner bietet.

  2. Hallo Jens,
    interessanter Bericht und gut recherchiert. 🙂 Bis zu dem Nachtcache in der Nähe von Telgte, habe ich auch nicht über einen Zusammenhang nachgedacht.
    Ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen, da steht „Im Jahr 2007 wurden 22 Unfälle …“ das muss wohl 222 heißen.
    Grüße Katja

    • Hallo Katja,

      danke für dein Feedback und den Hinweis! Habs korrigiert.

      Viele Grüße,
      Jens

  3. Haloa!

    Lesenswert, danke dafür!

    Gefühlsmäßig (!) hat der Holzschlag in den letzten Jahren (zumindest hier in der Region) stark zugenommen, was bei ständig steigenden Energiekosten nicht wirklich verwundert. Der kleine Ofen für die Zwischenzeit vor dem harten Winter wird immer beliebter und mit Kaminholz lässt sich Geld machen.

    Durch derartige Abholzungen verlagern sich möglicherweise Rückzugsgebiete und durch Störungen angenommene Äsungsflächen. Wenn die für das Wild interessanten Waldflächen zunächst kleiner werden, könnte das in umliegenden Gebieten zwischenzeitlich zu Problemen führen.

    Wenn mittelfristig die anschließenden Aufforstungsmaßnahmen greifen (Ausbildung von Dickung und Niederwald), könnte sich die Lage wieder entspannen.
    U.U. wäre es interessant den Bewirtschaftungszustand der Forstflächen im zeitlichen Zusammenhang zu sehen und in derartige Betrachtungen einzubeziehen.

    Viele Grüße
    TJ.

  4. Schöner Beitrag – allerdings würde ich an Deiner Stelle einige deutlichere Schlüsse ziehen.

    Deine Karten zeigen deutlich, dass die Nachtcaches im Bereich Mariendorf und südlich Hiltrup sofort! archiviert gehören, ehe noch ein Mensch zu schaden kommt oder weitere Tiere.

    Du beschränkst die Cache/Wildunfälle-Zusammenhänge auch auf einen relativ kleinen räumlichen Bezug – tatsächlich lassen sich nachts die Waldtiere schon auf große Entfernungen erschrecken und zur Flucht veranlassen. Ich würde die Kreise wesentlich größer ziehen.

    Auch warum Du schlussfolgerst, dass ein Anstieg von über 30% bei den Wildunfällen wohl auf die Zunahme des Straßenverkehrs zurückzuführen sei, kann ich nicht nachvollziehen, denn Du lieferst leider keine Vergleichszahlen zur Zunahme des Straßenverkehrs – mehr als 30% in 5 Jahren ist schon recht viel.

    Natürlich haben auch Holzeinschlag und anderweitige Waldnutzung ihre Auswirkungen und es dürfte schwer werden, alle nur denkbaren Faktoren zu ermitteln und einfließen zu lassen – aber im Gegensatz zu Dir sehe ich bei Deinen Daten schon deutliche Zusammenhänge zwischen den Unfällen und den Caches, zumindest in einigen Bereichen. In anderen wiederum nicht, was natürlich dafür spricht, dass man es nicht verallgemeinern kann. Als Owner eines solchen Caches sollte man sich allerdings die Frage stellen, ob man die Schädigung von Tier, Autos oder gar Menschen wirklich wegen einer Plastikdose billigend in Kauf nehmen will.

    • Hallo hmichel777,

      danke für dein Feedback!
      Tatsächlich ist eine Beschränkung auf die Zunahme des Verkehrsaufkommens etwas zu pauschal. Der in den letzten Jahren gestiegene Freizeitdruck auf die Tiere wird ebenfalls einen großen Teil zu der Situation beitragen. Und da zählen wir Geocacher natürlich auch zu.
      Ich habe den Artikel an der entsprechende Stelle um diesen Zusatz erweitert. Danke für deinen Hinweis!

      Viele Grüße,
      Jens

  5. Interessant wäre auch die Bestandsänderung in den ensprechenden Regionen. Soll heißen… wenn es 30% mehr Rotwild/Schwarzwild/Wildwild gibt und entsprechend mehr Unfälle gäbe es auch einen möglichen Zusammenhang. Man könnte auch Logs der Nachtcaches (Datum) mit den Unfällen korrelieren (wenn Du das oben im Artikel schon gemacht haben solltest… ich hab’s übersehen)

    • Hallo Stefan,

      das Herstellen eines Zusammenhangs zwischen Wildunfall und NC-Suche über die Logs hatte ich ursprünglich vor. Aber wenn man die Sache mal genauer betrachtet, so macht diese Verbindung aus folgenden Gründen nicht zwangsläufig Sinn:
      – Wird der NC besucht, aber nicht gefunden, war ja trotzdem jemand vor Ort, hat aber in den seltensten Fällen online einen DNF geloggt.
      – War jemand vor Ort und hat dies auch im Online-Log vermerkt, dann kann ein etwaiger Wildunfall an dem Such-Abend oder in den Stunden danach auch viele andere Gründe, als den Geocacher haben.
      – Weiterhin kann jemand auch mit falschem Datum usw.

      All diese Gründe sprechen aus meiner Sicht dafür, dass man anhand der Logs keine sicheren Erkenntnisse gewinnen kann. Diese kann man meiner Meinung nach eh nicht gewinnen. Dafür müsste man schon das verunfallte Tier interviewen. Aber aus verschiedenen Gründen ist das ja nicht so leicht … 😉

      Viele Grüße,
      Jens

  6. Nicht ausser acht lassen sollte man auch eine Studie des Landkreises Kleve aus den Jahren 2000-2005, wobei unter anderem zwei Straßenabschnitte näher betrachtet wurden.

    90% der Unfälle mit Rehen und über 70% der Unfälle mit Wildschweinen passierten in Bereichen wo Brombeeren und Adlerfarne als Straßenrandbepflanzung angelegt worden waren. Dies stellt für das Wild eine ganzjährige Nahrungsquelle dar.

    Travelling Jack berichtete in seinem Blog ausführlich darüber:
    http://travellingjacks.wordpress.com/2012/07/22/wildunfalle/

  7. Hallo,

    erstmal Hut ab vor der Recherche-Arbeit. Toll, dass da endlich mal jemand Nägel mit Köpfen macht.

    Generell habe ich einige Gedanken während des Lesens gehabt, die aber die letzten Poster schon schrieben:
    – Betrachtung des Verkehrsaufkommens
    – Betrachtung der Tierbestände (auch vergrößert?)
    – Betrachtung des sich verändernden Lebensraums
    – Betrachtung des Klimas (Verhaltensänderungen, wenn es länger warm bleibt, etc.)
    – Betrachtung anderer Hobbies, allgemeine Nutzung des Waldes
    – …

    Wie gesagt, ich finde gut, dass du dir die Arbeit machst. Ausgesprochen. Und sollten sich NCs als schädlich erweisen, bin ich einer der ersten, der sich für flächendeckende Karten dieser Art ausspricht.

    Aber: Ich sehe auf deinen Karten leider nicht die geringste Häufung von Unfällen in Gebieten mit NCs. Wenn ich richtig verstanden habe, sind die blauen Marker ohne Einfluss, die roten mit Cache-Einfluss, richtig?
    Ich habe auf die Schnelle keine Ecke gefunden, die in ihrer Dichte signifikant von den restlichen Markern abweicht. Die roten Marker sind also durchaus ohne Zusammenhang. Den Zusammenhang kann man vielleicht erstellen, wenn man sich den Unfallzeitpunkt anschaut und vergleicht, ob es in dieser Nacht zu vermehrten Logs kam, was allerdings auch noch Zufall sein kann.

    Es ist ein guter Ansatz, den du wählst, aber um einen wirklichen Zusammenhang von NCs zu Wildunfällen herzustellen müssen vermutlich viel mehr Daten einfließen. Vielleicht können sich da ja ein paar Freiwillige in deiner Gegend dazu entschließen, dir zu helfen und das Ganze handfester zu machen. Ein Austausch mit den Jägern wäre sicherlich nicht verkehrt.

    Gruß S-Man

    • Hallo S-Man,

      danke für dein Feedback!

      Die roten Marker in den Karten zeigen keinen Wildunfall aufgrund eines Nachtcaches an, wie du vermutest. Die roten Marker zeigen nur an, dass dort ein Unfall im Umfeld eines NCs geschah. Diese Marker unterscheiden sich zu den übrigen (blauen), da diese Unfälle zu Zeiten und an Tagen geschahen, als dort ein NC in der unmittelbaren Nähe aktiv bzw. ausgelegt war.
      Tauchen im gleichen Gebiet blaue Marker ohne Datum und Uhrzeit auf, dann war zum Zeitpunkt des Unfalls entweder der nahe NC (noch) nicht (mehr) vorhanden oder der Unfall geschah zu einer Tageszeit, in der man Wildunfälle aufgrund von Nachtcaches wohl eher ausschließen darf (zum Beispiel 13 Uhr mittags).
      Ich stelle im Text ja auch keinen wirklichen Zusammenhang fest, sondern weise lediglich darauf hin, dass ein eventueller Zusammenhang bestehen könnte bzw. das ich ihn mir vorstellen könnte.
      Tatsächlich nachweisen, dass die NC-Suche für einen Wildunfall gesorgt hat, dürfte aus meiner Sicht eh nahezu unmöglich sein. Da müsste man schon „live“ und ganz nah dabei sein. So kann man nur Vermutungen anstellen und darauf hinweisen, dass bestimmte Gebiete aufgrund ihrer Wildunfallgefahr eher nicht für NCs geeignet sind. Und manche dagegen durchaus möglich sein dürften, da dort (fast) keine Wildunfälle geschehen.

      Abschließend also nochmal der Hinweis, dass ich im Text nirgends feststelle, dass dieser oder jener Wildunfall mit einem NC direkt zusammenhängt. Ich zeige lediglich, dass in einigen NC-Gebieten Wildunfälle geschahen und ein Zusammenhang nicht unbedingt ausgeschlossen werden sollte.
      Dies soll der letztlich Sensibilisierung der lokalen Community für das Thema und als mögliche Arbeitshilfe für zukünftige NC-Projekte dienen.

      Viele Grüße,
      Jens

      • Erst einmal hast Du hier einen Klasse Beitrag geschrieben, hinter dem eine Menge Recherche und Analyse steckt. Respekt vor Deiner Arbeit!

        Du hast rund 1300 Wildunfälle analysiert, davon hatten über 5 Jahre hinweg vielleicht ca. 80 potentiell Bezug zu einem Nachtcache. Dem gegenüber haben die 31 Caches in den fraglichen Jahren insgesamt ca. 20788 Tage vor Ort gelegen.

        Leider fehlt die Relation zur Fläche bzw. zur Streckenlänge der potentiell bedrohten Straßen, aber gefühlsmäßig würde ich sagen, dass ich einen wesentlich höheren Impact erwartet hätte, um einen Zusammenhang herzustellen.

        Dass es vielleicht im Einzelfall einen Korrelation zwischen gehäuften Wildunfällen und einem naheliegenden Nachtcache geben kann, man sein, aber insgesamt halte ich es eher für unwahrscheinlich.

        Schaut man sich die Unfallorte an, erkennt man relativ schnell typische topografische Muster. Gut ausgebaute Land-/oder Bundesstraßen, teilweise vor/hinter Kurven. Bei uns in der Region würde ich sogar darauf wetten, dass an solchen Stellen in 90% der Fälle ein „Achtung! Wildwechsel!“-Schild vor Ort warnt.

      • Hallo Jens,

        danke für deine ausführliche Antwort 🙂

        Mir ist dein Anliegen klar, dass du versuchst zu sensibelisieren. Und das ist dir hervorragend gelungen 🙂
        Aber nach wie vor stehe ich eher auf der Seite, die sagt: möglich, aber anhand deiner Daten eher unwahrscheinlich. DasLangeSuchen hat vor mir ja eine ähnliche Auffassung und sogar ein paar Zahlen zusammengerechnet.

        Wie gesagt, eine super Arbeit, regt zum Nachdenken an, ob man künftig NCs nicht so nah an große Straßen legt. Aber Schlüsse kann man nicht ziehen, was du ja auch nicht tust, aber so manch Kommentator hier.

        Nicht falsch verstehen, ich schrieb ja schon, dass – sollte es eine Korrelation geben – ich sicherlich auf deiner Seite stehe. Momentan halte ich das aber eher für Panikmache der Jäger und sehe in deinen Daten keinen Zusammenhang – zumindest nicht so ohne weitere Untersuchungen. Aber die können vielleicht ja noch angestellt werden, wenn sich ein paar Interessenten finden.

        Trotzdem tolle Arbeit!

        LG S-Man

  8. Hallo Jens,

    viel Arbeit hast Du Dir gemacht. Toll!
    Aber ich fürchte der Aussagewert ist relativ gering, denn hier konnten ja wohl einige Einflussgrößen nicht in die Betrachtung eingehen.
    Als weitere mögliche Einflussgrößen auf Wildunfälle sehe ich noch:
    – nicht angepaßte Geschwindigkeit (übrigens die häufigste Unfallursache überhaupt, also wird das auch bei Wildunfällen einen großen Anteil ausmachen)
    – starke Zunahme der DTV-Werte (durchschnittliche tägliche Verkehrszahlen) in den letzten Jahren
    – Andere Freizeitnutzungen (Wanderungen, Feiern, Mountainbiken, etc.)
    – Jagd, Lenkungen des Wildes durch Fütterungen, landwirtschaftliche und forstliche Tätigkeiten
    – Flugzeuge?

    Und wahrscheinlich gibt´s noch ein paar.
    Vor diesem Hintergrund halte ich es für redlich, dass Du keine Kausalbezüge herstellst.
    Aber vor diesem Hintergrund halte ich es für äußerst gewagt, Zusammenhänge aus dieser Untersuchung ableiten zu wollen (und das versuchen einige Deiner Leser/innen offensichtlich).

    Ich sehe durchaus das Problem der Nachtcaches, erwarte dann aber von den Jägern keine pauschalen Anklagen und verallgemeinernden Darstellungen der Gefahren des Cachens, sondern transparente und auffindbare Darstellungen der Gebiete, die beim Cache-Legen ausgelassen oder nur eingeschränkt genutzt (z. B. keine Nachtcaches) werden sollten.

    Das kann ich allerdings nicht erkennen (obwohl ich mich auch -aus beruflichen Gründen- mit Publikationen der Jägerschaft und Forsteigentümer beschäftige).
    Die meisten Jäger sehe ich als Mitglieder eines recht überkommenen Männerbundes, der nicht rational argumentiert, sondern aus einer Position des vermeintlich Stärkeren heraus die relativ neue Nutzungen des Waldes durchs Cachen (und anderes, w. z. B. Mountainbiken, Joggen, etc.) ablehnt.
    Da sehe ich auf Cacherseite durchaus mehr Engagement (leider auch neben viel Ignoranz).

    Die Untersuchung und Deine Mühen in allen Ehren, aber ich ich sehe bei einem so multikausalen Thema wie Wildunfällen nicht die Möglichkeit, das Cachen seriös als Ursache zu belegen oder auszuschließen (sonst hätten die Jäger das auch schon längst getan).

    Grüße vom
    Hrdlicka